Im Februar und März befasste sich Mad in America unter anderem mit Studien zu unerwünschten Wirkungen von Neuroleptika und Antidepressiva: Zwei Studien geben Hinweise darauf, dass beide Wirkstoffklassen ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen hervorrufen können. Eine weitere Studie stellt einen Zusammenhang zwischen psychischen Diagnosen, dem Konsum von Psychopharmaka und Risikofaktoren für Diabetes fest, darunter abnormale Blutfettwerte und Adipositas. Ein weiterer Artikel spricht sich gegen psychiatrische Krankenhausaufenthalte für Menschen mit hohem Suizidrisiko aus.

Kardiometabolische Nebenwirkungen einer langfristigen Behandlung mit Neuroleptika bei Kindern und Jugendlichen mit nicht-psychotischen Störungen: Eine systematische Übersicht über die verfügbaren Erkenntnisse
Eine neue Studie, die in European Child & Adolescent Psychiatry veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die langfristige Einnahme von Neuroleptika bei Kindern und Jugendlichen ohne psychotische Störungen mit verschiedenen negativen Auswirkungen auf die Herzgesundheit in Verbindung steht, darunter Gewichtszunahme, hoher Blutzucker, hoher Cholesterinspiegel und das metabolische Syndrom. Die aktuelle Studie unter der Leitung von Ramya Padmavathy Radha Krishnan von der University of Sydney in Australien fand zudem Hinweise darauf, dass Neuroleptika mit Bluthochdruck in Verbindung stehen könnten, doch dieser Befund war nicht in allen untersuchten Studien konsistent.
Ziel dieser Studie war es, die vorhandene Evidenz zum Zusammenhang zwischen der Einnahme von Neuroleptika bei Kindern und Jugendlichen ohne Psychosediagnose und unerwünschten kardiovaskulären Auswirkungen zu untersuchen. Die Autor:innen verwendeten ein Meta-Analysedesign und untersuchten klinische Studien und Beobachtungsstudien, die sich mit Kindern und Jugendlichen ohne psychosebezogene Diagnose befassten, denen Neuroleptika verabreicht wurden. Um in die aktuelle Analyse einbezogen zu werden, mussten die Studien in englischer Sprache veröffentlicht sein und die Dauer der Einnahme von Neuroleptika musste mindestens 12 Monate betragen.
Die Studien wurden danach klassifiziert, ob sie eine Zunahme der unerwünschten Ergebnisse, eine Abnahme oder keine Veränderung/keine eindeutigen Ergebnisse zeigten. Die Autor:innen berücksichtigten weder die Stärke der beobachteten Zusammenhänge noch deren statistische Signifikanz. Insgesamt untersuchten die Autoren 15 Beobachtungsstudien mit 114.141 Probanden. Die Mehrheit der Probanden war männlich (83,4 %). Es wurden keine klinischen Studien identifiziert, die den Einschlusskriterien entsprachen. Die einbezogenen Studien untersuchten 12 verschiedene Neuroleptika, wobei Risperidon am häufigsten vorkam.
Zwölf der 15 einbezogenen Studien untersuchten Gewichtszunahme als Nebenwirkung von Neuroleptika. Elf dieser 12 Studien (91,7 %) stellten fest, dass die Probanden nach der Einnahme von Neuroleptika an Gewicht zunahmen. Sowohl Risperidon als auch Aripiprazol wurden mit einer signifikanten Gewichtszunahme in Verbindung gebracht, während Quetiapin und Ziprasidon mit geringeren Zunahmen assoziiert waren.
Sechs von 15 Studien untersuchten Hyperglykämie (eine krankhaft vermehrte Menge an Glukose im Blut (Blutzucker)). Alle sechs Studien berichteten über eine erhöhte Hyperglykämie nach der Einnahme von Neuroleptika. Alle untersuchten Neuroleptika wurden mit diesem Anstieg in Verbindung gebracht. Sechs Studien untersuchten zudem einen erhöhten Cholesterinspiegel, wobei vier von sechs eine Abnahme des guten Cholesterins und einen Anstieg des schlechten Cholesterins nach der Einnahme von Neuroleptika feststellten. Vier Studien befassten sich mit Bluthochdruck, wobei nur eine einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutdruck und Aripiprazol feststellte. Zwei Studien untersuchten das Vorliegen eines metabolischen Syndroms; beide stellten einen Anstieg bei mindestens einem Kriterium für das metabolische Syndrom fest, das mit Risperidon in Verbindung stand.
Die Autoren weisen auf mehrere Einschränkungen der aktuellen Arbeit hin. Es gab nur wenige Studien und keine klinischen Studien, die ihre Einschlusskriterien erfüllten. Unterschiedliche Methoden zwischen den Studien erschwerten Vergleiche. Während die meisten der einbezogenen Studien positive Zusammenhänge berichteten, glauben die Autoren, dass es möglicherweise unveröffentlichte Studien gibt, die keine Zusammenhänge berichteten.
Arrhythmische Ereignisse im Zusammenhang mit Antidepressiva: Eine bayesianische Disproportionalitätsanalyse unter Verwendung der Datenbank des FDA Adverse Event Reporting System
Eine neue Studie, die in Frontiers in Psychiatry veröffentlicht wurde, berichtet über einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antidepressiva und einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen. Diese von Shan Cao von der Sun Yat-sen-Universität geleitete Studie fand zudem einen Zusammenhang zwischen Herzrhythmusstörungen und dem Neurolpetikum Quetiapin, das häufig unter dem Namen Seroquel vertrieben wird.
Ziel der aktuellen Arbeit war es, den Zusammenhang zwischen häufig verwendeten Antidepressiva und arrhythmischen Ereignissen zu untersuchen. Die Autor:innen nutzten die Datenbank des Adverse Event Reporting System (FAERS) der US-amerikanischen Food and Drug Administration, um diesen Zusammenhang zu untersuchen. Sie werteten Aufzeichnungen zu Herzrhythmusstörungen bei sieben Antidepressiva (Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin, Mirtazapin, Venlafaxin und Duloxetin) sowie einem häufig als Antidepressivum eingesetzten Neuroleptikum (Quetiapin) aus.
Citalopram (Celexa) wurde mit QT-Verlängerung (114 % höhere Meldewahrscheinlichkeit in FAERS), Vorhofflimmern (82 %), Herzblock (37 %) und ventrikulären Arrhythmien (55 %) in Verbindung gebracht. Escitalopram (Lexapro) wurde mit QT-Verlängerung (72 %), Vorhofflimmern (34 %) und ventrikulären Arrhythmien (51 %) in Verbindung gebracht. Fluoxetin (Prozac) wurde mit QT-Verlängerung (39 %) und Vorhofflimmern (68 %) in Verbindung gebracht. Quetiapin (Seroquel) wurde mit QT-Verlängerung (58 %) und ventrikulären Arrhythmien (139 %) in Verbindung gebracht. Sertralin (Zoloft) wurde mit Vorhofflimmern (32 %) assoziiert und Mirtazapin (Remeron) mit Herzblock (40 %). Duloxetin (Cymbalta) und Venlafaxin (Effexor) wurden nicht mit erhöhten FAERS-Meldungsraten für arrhythmische Ereignisse in Verbindung gebracht.
Die Autor:innen räumen mehrere Einschränkungen der vorliegenden Arbeit ein. Die FAERS-Datenbank stützt sich auf spontane Selbstmeldungen von unerwünschten Ereignissen. Dies kann zu ungenauen und unvollständigen Aufzeichnungen führen. Sie hatten keinen Zugang zu Daten über die Ausgangsmerkmale der Patient:innen, die Dosierung oder die Dauer der Exposition gegenüber Antidepressiva. Die vorliegende Arbeit untersuchte nur acht Medikamente. Medikamente, die häufiger verschrieben werden, tauchen zwangsläufig häufiger in Datenbanken zu unerwünschten Ereignissen auf, was Vergleiche zwischen Medikamenten erschwert. Arrhythmien werden wahrscheinlich zu selten gemeldet, da sie in der Regel eine Überwachung erfordern, um erkannt zu werden.
Psychische Diagnosen und der Konsum von Psychopharmaka stehen im Zusammenhang mit abnormalen Blutfettwerten
Eine neue, in Dänemark durchgeführte Studie, die im Community Mental Health Journal veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass eine psychische Diagnose bei Menschen, die als adipös gelten, mit abnormalen Blutfettwerten in Verbindung steht. Die aktuelle Arbeit unter der Leitung von Mikkel Emil Iwanoff Kolind vom Universitätsklinikum Odense in Dänemark stellt zudem Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Psychopharmaka und adipositätsbedingten Erkrankungen wie dem metabolischen Syndrom und Diabetes fest. In dieser Studie war der BMI der stärkste Indikator für adipositätsbedingte Erkrankungen.
Ziel dieser Studie war es, die Zusammenhänge zwischen psychischen Diagnosen und adipositasbedingten Erkrankungen zu untersuchen sowie zu ermitteln, wie sich der Konsum von Psychopharmaka auf adipositasbedingte Erkrankungen auswirkt. Die Autor:innen verwendeten Daten der South Danish Obesity Initiative am Universitätsklinikum Süddänemark in Esbjerg. Dieses Programm untersucht Personen mit einem BMI von 30 oder höher auf adipositasbedingte Erkrankungen. Die Autor:innen bezogen Personen ein, die zwischen September 2021 und Oktober 2024 im Rahmen dieses Programms untersucht wurden.
Die Teilnehmernden wurden anhand ihrer psychischen Diagnose in Gruppen eingeteilt. Personen ohne Diagnose wurden der Gruppe „keine psychische Störung“ zugeordnet. Weitere Untergruppen umfassten Schizophrenie, bipolare Störung, Depression und Angststörungen. Teilnehmernde mit mehreren psychischen Diagnosen wurden entsprechend ihren Diagnosen mehreren Gruppen zugeordnet. Insgesamt untersuchten die Autor:innen Daten von 662 Teilnehmern, davon 345 mit einer psychischen Diagnose und 317 ohne.
Nach Bereinigung um den Konsum von Psychopharmaka war das Vorliegen einer psychischen Diagnose mit erhöhten Triglyceridwerten (um 60 % erhöhte Wahrscheinlichkeit), einem erhöhten Triglycerid-HDL-C-Verhältnis (um 130 %) und einem erhöhten Risiko für Fettlebererkrankungen (um 80 %) verbunden. Es ist wichtig anzumerken, dass diese Studie zwar Belege dafür liefert, dass psychiatrische Diagnosen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für abnormale Blutfettwerte verbunden sind, die Autor:innen jedoch keine Lebensstil- oder sozioökonomischen Variablen berücksichtigten. Das bedeutet, dass diese erhöhten Werte wahrscheinlich eher mit Umwelt- und Lebensstilfaktoren zusammenhängen als mit einem biologischen, genetischen oder anderen internen Faktor, den Menschen mit einer psychischen Diagnose gemeinsam haben.
Insgesamt wiesen Teilnehmer, die Psychopharmaka einnahmen, ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom (70 %), erhöhte Triglyceridwerte (100 %), ein hohes Verhältnis von Gesamt- zu HDL-Cholesterin (130 %), ein erhöhtes Triglycerid-zu-HDL-Verhältnis (200 %) und eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung (60 %) auf.
Anxiolytika waren mit einem erhöhten Risiko für Diabetes verbunden (380 %). Antidepressiva waren mit einem erhöhten Risiko für erhöhte Triglyceridwerte (160 %), ein erhöhtes Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL (180 %) und ein erhöhtes Triglycerid-HDL-Verhältnis (220 %) verbunden. Stimmungsstabilisatoren waren mit einem erhöhten Risiko für ein erhöhtes Triglycerid-HDL-Verhältnis (190 %) assoziiert. Neuroleptika wurden mit erhöhten Triglyceridwerten (90 %), einem erhöhten Gesamtcholesterin-HDL-Verhältnis (120 %) und einem erhöhten Triglycerid-HDL-Verhältnis (230 %) in Verbindung gebracht. Hypnotika wurden mit einem erhöhten Triglycerid-HDL-Verhältnis (370 %) in Verbindung gebracht.
Alle Teilnehmernde dieser Studie hatten einen BMI von 30 oder mehr, was auf Adipositas hindeutet. Das Risiko für abnormale Blutfettwerte und Diabetes ist in dieser Gruppe bereits erhöht. Diese Studie berichtet von einem weiter erhöhten Risiko für diese Komplikationen im Zusammenhang mit psychischen Diagnosen und der Einnahme von Psychopharmaka innerhalb einer Stichprobe, die ohnehin bereits einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist.
Die aktuelle Studie umfasste nur Personen mit hohem BMI (30 oder mehr). Das bedeutet, dass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Personen übertragbar sind, die nicht als adipös gelten. Die Autor:innen stützten sich auf selbstberichtete Daten zu psychischen Diagnosen. Selbstauskunftsdaten sind anfällig für Verzerrungen durch Erinnerungslücken, falsche Angaben und Antworten, die eher sozial akzeptabel als wahrheitsgemäß sind. Diese Studie enthielt keine Daten zum Lebensstil und zum sozioökonomischen Status. Da diese Studie im Rahmen eines einzelnen Programms in einem dänischen Krankenhaus durchgeführt wurde, ist die Verallgemeinerbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen begrenzt.
Diese Studie fand einen Zusammenhang zwischen psychischen Diagnosen, dem Konsum von Psychopharmaka und abnormalen Blutfettwerten. Frühere Studien haben abnormale Blutfettwerte mit Diabetes in Verbindung gebracht. Insbesondere Anxiolytika wurden in der aktuellen Studie mit höheren Diabetesraten in Verbindung gebracht. Studien haben zudem einen Zusammenhang zwischen Antidepressiva, Neuroleptika und einem erhöhten Risiko für Diabetes festgestellt.
Jenseits des Risikos: Ein neues Konzept für die stationäre Aufnahme suizidgefährdeter Personen
Während die stationäre Aufnahme in eine psychiatrische Klinik häufig als Mittel zur Suizidprävention eingesetzt wird, argumentiert ein neuer Kommentar, der in Frontiers in Psychiatry veröffentlicht wurde, dass dies nicht der Fall sein sollte. Die aktuelle Studie unter der Leitung von Christian Greiner vom Universitätsspital Genf in der Schweiz verweist auf nicht-stationäre Maßnahmen wie Sicherheitsplanung und kurze, auf Suizidprävention ausgerichtete Therapien als bessere Alternativen zur stationären Aufnahme in eine psychiatrische Klinik.
Die Autor:innen weisen zunächst darauf hin, dass Suizidprognosen bei der Vorhersage, wer in Zukunft einen Suizidversuch unternehmen wird, „nicht besser als Zufall“ seien. Diese Einschätzungen sind in Notfallsituationen sogar noch schlechter und berücksichtigen in der Regel das Risiko nach der Entlassung nicht. Die Autor:innen argumentieren, dass eine Fokussierung auf die Kategorisierung des Suizidrisikos von anderen Formen der Versorgung ablenken könnte, die tatsächlich hilfreich sein könnten.
Es gibt keine Belege dafür, dass eine psychiatrische Einweisung Suizide verhindert, und es gibt einige Hinweise darauf, dass sie diese sogar erhöhen könnte. Eine psychiatrische Krankenhausaufnahme an sich kann zudem belastend sein und ist oft losgelöst von den subjektiven Bedürfnissen der Betroffenen, insbesondere bei zwangsweise psychiatrischer Einweisung.
Während es kaum bis gar keine Belege dafür gibt, dass mit einer psychiatrischen Krankenhausaufnahme verbundene Praktiken wie ständige Überwachung, Sicherheitsvereinbarungen und Isolation die Suizidalität verringern, stellen die Autor:innen fest, dass eine einzige, auf Suizid ausgerichtete Therapiesitzung, die einen gemeinsam erarbeiteten Sicherheitsplan und die Vermittlung von Anschlussversorgung beinhaltete, mit 30 % weniger Suizidversuchen verbunden war. Trotz dieser Erkenntnisse wird die psychiatrische Einweisung häufig angewendet und von vielen Fachleuten im Bereich der Psychiatrie als Mittel zur Verringerung des Risikos für Suizide angesehen.
Die Autor:innen argumentieren, dass die Behandlung von Suizidgedanken das Management von psychischen Belastungen, den Aufbau von Vertrauen (oder dessen Wiederherstellung in Fällen, in denen der Patient bereits hospitalisiert war) sowie die Unterstützung beim Übergang zurück in die Gemeinschaft nach der Entlassung aus psychiatrischen Einrichtungen umfassen sollte.
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Cao, S., Huang, Z., Yang, W., Yang, S., Chen, X., & Xie, X. (2025). Arrhythmic events pertinent with antidepressants: A Bayesian disproportional analysis mining the FDA Adverse Event Reporting System Database. Frontiers in Psychiatry, 16. (Link)
Greiner, C., Huber, J., Prada, P., & Large, M. (2025). Beyond risk: Rethinking hospitalization for suicidal individuals. Frontiers in Psychiatry, 16. (Link)
Kolind, M. E., Beier, C. P., Nygaard, N.-P. B., Stenager, E., & Juhl, C. B. (2025). Obesity associated disease in people with mental disorders: The role of psychotropic medication and BMI. Community Mental Health Journal, 62(3), 432–442. (Link)
Radha Krishnan, R. P., Dzidowska, M., Zheng, D., Wong, Z. S.-Y., Buckley, N. A., & Raubenheimer, J. E. (2025). Cardiometabolic adverse effects of long-term antipsychotic treatment in children and adolescents with non-psychotic disorders: A systematic review of available evidence. European Child & Adolescent Psychiatry, 34(11), 3331–3343. (Link)