Antidepressiva können friedliche Bürger:innen in Mörder:innen verwandeln

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien ursprünglich auf unserer Partnerseite Mad in America am 15.08.2026.

Eines der bestgehüteten Geheimnisse der Psychiatrie ist, dass Antidepressiva das Risiko von Gewalttaten, einschließlich Suizid und Mord, erhöhen.

Es dauerte 13 Jahre – nachdem dies bei einer Anhörung zunächst bestritten worden war1 –, bis die FDA im Jahr 2004 in einem „Black-Box“-Warnhinweis, der 2006 aktualisiert wurde, einräumte, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die Antidepressiva einnehmen, ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und -verhalten haben.

Durch das Einbeziehen von Ereignissen, die in der Nachbeobachtungsphase nach Abschluss der randomisierten Phase der Studien auftraten, dokumentierten zwei Forscher:innen kürzlich auf der Grundlage von Berichten über placebokontrollierte Studien bei der FDA, dass Antidepressiva die Suizidrate bei Erwachsenen verdoppeln.2 Wahrscheinlich verdoppeln sie auch die Suizidrate bei Kindern. Die Studiendaten sind zu spärlich, um dies zu beweisen, doch im Jahr 2003 gab die FDA bekannt, dass das Risiko für suizidale Ereignisse bei Kindern unter Medikamenteneinnahme bei 4 % liegt, was dem Doppelten des Placebo-Risikos von 2 % entspricht.3

Ernsthafte Warnungen in den von der FDA genehmigten Packungsbeilagen

Es ist aufschlussreich, die Packungsbeilagen zu lesen, doch die für Lexapro (Escitalopram) umfasst 26 Seiten.4 Da kein:e Ärzt:in unmöglich mehr als einen winzigen Bruchteil all dessen wissen kann, habe ich die Passagen über Gewalt gegen sich selbst oder andere zusammengefasst.

„Patient:innen, ihre Angehörigen und ihre Betreuer:innen sollten dazu angehalten werden, auf das Auftreten von Angstzuständen, Unruhe, Panikattacken, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Feindseligkeit, Aggressivität, Impulsivität, Akathisie (psychomotorische Unruhe), Hypomanie, Manie, anderen ungewöhnlichen Verhaltensänderungen, einer Verschlimmerung der Depression und Suizidgedanken zu achten, insbesondere zu Beginn der Behandlung mit Antidepressiva und bei einer Dosisanpassung nach oben oder unten. Angehörige und Betreuungspersonen von Patient:innen sollten darauf hingewiesen werden, täglich auf das Auftreten solcher Symptome zu achten, da Veränderungen plötzlich auftreten können.“

Die tägliche Überwachung der Patient:innen, unabhängig vom Alter, ist eine eindringliche Warnung davor, wie gefährlich Antidepressiva sind. In der Packungsbeilage heißt es, dass jedes psychoaktive Medikament das Urteilsvermögen beeinträchtigen kann, was in Fällen von Tötungsdelikten besonders zu beachten ist. Darin wird erwähnt, dass alle Patient:innen auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen überwacht werden sollten und dass sie sofort ihren Arzt oder, im Notfall, den Notruf anrufen sollten, wenn sie:

  • gefährlichen Impulsen nachgeben
  • aggressiv oder gewalttätig handeln
  • sich aufgeregt, unruhig, wütend oder gereizt fühlen
  • rasende Gedanken haben
  • rücksichtsloses Verhalten zeigen
  • ungewöhnlich großspurige Vorstellungen haben.

Unter den schwerwiegenden Symptomen, die auftreten können, wenn Patient:innen Escitalopram zu schnell absetzen, wird das schwerwiegendste, die Akathisie, leider nicht erwähnt (es wird nur unter den regulären Nebenwirkungen aufgeführt, nicht unter den Entzugssymptomen). Am ehesten kommen noch Reizbarkeit und Unruhe in Frage, bei denen es sich jedoch um weitaus harmlosere Symptome handelt.

Die FDA ist viel zu industriefreundlich und hat ein riesiges Problem mit Korruption.5,6 Die Warnungen von Health Canada aus dem Jahr 2004 gingen weit über die der FDA hinaus. Dort hieß es: „Bei Patient:innen jeden Alters, die diese Medikamente einnehmen, können Verhaltens- und/oder emotionale Veränderungen auftreten, die ein erhöhtes Risiko für Selbstverletzung oder die Verletzung anderer mit sich bringen können.“7

Die kanadische Arzneimittelbehörde kam fast zu dem Eingeständnis, dass Antidepressiva in jedem Alter zu Tötungsdelikten führen können.

Die Rolle der Akathisie bei Gewalttaten

Akathisie ist gekennzeichnet durch intensive Unruhe, innere Aufgewühltheit, Erregung und ein zwingendes Bedürfnis, sich hektisch zu bewegen. Patient:innen glauben möglicherweise, sie seien verrückt geworden, und beschreiben das Gefühl als den Drang, aus der Haut zu fahren. Sie können ihr erregtes Verhalten nicht kontrollieren und leiden unter unerträglicher Wut, Wahnvorstellungen und Dissoziation.8

Zahlreiche Studien und Beobachtungen haben gezeigt, dass Akathisie ein sehr starker Risikofaktor für Gewalt gegen sich selbst und andere ist.8–13 Bereits 1998 beschrieb der Pfizer-Wissenschaftler Roger M. Lane Akathisie als einen medikamenteninduzierten Zustand, bei dem Patient:innen das Gefühl haben können, dass „der Tod ein willkommenes Ergebnis ist“.14

Akathisie ist eine arzneimittelbedingte Schädigung. In seiner Rolle als Sachverständiger in einem Gerichtsverfahren fand der Psychiater David Healy in internen Unternehmensdokumenten Belege dafür, dass 25 % der gesunden Proband:innen während der Einnahme von Paroxetin Unruhe und andere Symptome der Akathisie erlebten.15 Andere Autor:innen berichteten von einer Person, die „nach drei Tagen unter Paroxetin die ganze Nacht wach lag und sich zwang, still zu bleiben, weil sie jeden im Haus töten wollte. “16

Im Jahr 2016 zeigte meine Forschungsgruppe in unserer systematischen Übersicht über placebokontrollierte Studien an freiwilligen Proband:innen, dass Antidepressiva die Häufigkeit von durch die FDA definierten aktivierenden Wirkungen verdoppeln, die das Risiko von Gewalttaten erhöhen.17 Im selben Jahr stellten wir anhand der klinischen Studienberichte, die die Pharmaunternehmen bei den Arzneimittelaufsichtsbehörden eingereicht hatten, fest, dass Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen die Aggressivität um das 2- bis 3-Fache steigern. 18 Die Patientenberichte führten Morddrohungen, Mordgedanken, Körperverletzung, sexuellen Missbrauch, die Drohung, eine Waffe mit in die Schule zu nehmen, Sachbeschädigung, das Schlagen auf Haushaltsgegenstände, aggressive Übergriffe, verbale Beschimpfungen und aggressive Drohungen sowie Streitlust auf. Solche Dinge findet man in veröffentlichten Studienberichten nie. Und obwohl Akathisie manchmal fälschlicherweise als Hyperkinesie kodiert oder gar nicht kodiert wurde, trat sie unter den Tabletten doppelt so häufig auf wie unter Placebo.

Akathisie wird in veröffentlichten Studienberichten stark untererfasst und dort oft falsch bezeichnet, z. B. als Nervosität, Unruhe oder agitierte Depression.10,11,19

Viele Menschen, die während der Einnahme von Antidepressiva einen Mord begangen haben, verhielten sich vor Beginn der Einnahme normal, entwickelten während der Einnahme Akathisie und kehrten zu ihrer normalen Persönlichkeit zurück, als sie das betreffende Medikament absetzten.20,21

Eli Lilly wusste bereits 1988, dass doppelt so viele der mit Fluoxetin behandelten Patient:innen in klinischen Studien über neu aufgetretene Aktivierung berichteten wie mit Placebo behandelte Patient:innen (38 % gegenüber 19 %).22 Das bedeutet, dass Fluoxetin bei jede:r fünften mit dem Medikament behandelten Patient:in eine Aktivierung verursacht (da der Unterschied zum Placebo etwa 20 % beträgt).

Als David Healy und ich die beiden Studienberichte untersuchten, die Eli Lilly den Arzneimittelbehörden vorgelegt hatte, um die Zulassung von Fluoxetin für Depressionen im Kindesalter zu erhalten, stellten wir fest, dass Vorläufer von Suizidalität oder Gewalt unter Fluoxetin häufiger auftraten als unter Placebo, und bei der größten Studie lag die „Number Needed to Harm“ (NNH) bei nur 6 für Ereignisse des Nervensystems (eine von Eli Lilly verwendete Kategorie) und bei 10 für schwere Schäden.23(Anm. d. Red.: Die „Number Needed to Harm“ (NNH) gibt an, wie viele Patient:innen behandelt werden müssen, damit statistisch bei genau einer Person ein zusätzlicher Schaden durch die Therapie auftritt (je kleiner der Wert, desto gefährlicher))

Wir fanden mehrere Fälle, in denen die Kinder sehr wahrscheinlich unter Akathisie litten, die typischerweise fälschlicherweise als Unruhe, aber auch als Euphorie, Hyperkinesie, Hypomanie, Manie und erhöhte Impulsivität kodiert wurde. In einer der Studien litten 19 Fluoxetin- gegenüber 6 Placebo-Patient:innen unter Unruhe (P = 0,005), 9 gegenüber 1 hatten Albträume (P = 0,02), und 7 gegenüber 4 verspürten innere Anspannung. Diese unerwünschten Ereignisse erhöhen alle das Risiko für Suizid und Gewalttätigkeit. Die veröffentlichten Studienberichte waren äußerst irreführend, da sie diese schwerwiegenden Schäden nicht offenlegten.23

In pädiatrischen Studien mit Sertralin brachen 8 von 189 Patient:innen (4 %) die Behandlung aufgrund von Aggressivität, Unruhe oder Hyperkinesie ab, verglichen mit keinem der 184 Patient:innen, die Placebo erhielten (P = 0,007, meine Berechnung). 24

Akathisie tritt auch auf, wenn Patient:innen Neuroleptika einnehmen.8 In einer Studie litten 79 % von 52 Patient:innen mit der Diagnose Schizophrenie, die versucht hatten, sich zu suizidieren, an Akathisie.25 Eine andere Studie berichtete, dass die Hälfte aller Auseinandersetzungen auf einer psychiatrischen Station mit Akathisie zusammenhing.26

Vertuschung der Tatsache, dass Antidepressiva Tötungsdelikte verursachen können

Suizid und Tötungsdelikte hängen zusammen. Ob unter Medikamenteneinfluss oder nicht – Suizident:innen töten manchmal auch ihre Familie. Zu behaupten, es gäbe keinen Zusammenhang, ist ebenso unhaltbar wie die Behauptung, dass ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und -verhalten nicht mit einem erhöhten Suizidrisiko einhergeht; genau so haben jedoch Pharmaunternehmen und führende Psychiater:innen immer wieder argumentiert.27

Die Daten deuten darauf hin, dass sich das Risiko für Tötungsdelikte verdoppelt, genau wie sich das Suizidrisiko verdoppelt. Laut internen Unternehmensdokumenten wurden 0,65 % der Patient:innen in klinischen Studien unter Paroxetin aggressiv, verglichen mit 0,31 % unter Placebo.24 Eine unveröffentlichte Unternehmensstudie zeigte Fälle schwerer Aggressionen bei 80 Patient:innen, von denen 25 zu Tötungsdelikten führten. Wie bei Suiziden gibt es keine Altersobergrenze, ab der es nicht mehr zu Tötungsdelikten kommen kann. Ein 74-jähriger Mann erwürgte seine Frau, und ein anderer war 66 Jahre alt, als er unter der Einnahme von Fluoxetin Wahnvorstellungen entwickelte und seine Frau tötete, die mit 200 Stichwunden aufgefunden wurde.24

Die Behörden verheimlichen routinemäßig Informationen, die einen Zusammenhang zwischen den Tabletten und Tötungsdelikten herstellen, um keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Tabletten zu wecken. Daher dauerte es eine ganze Weile, bis wir erfuhren, dass sowohl der Germanwings-Pilot, der bei seinem Suizid in den Alpen ein ganzes Flugzeug mit in den Tod riss, als auch der belgische Busfahrer, der viele Kinder tötete, indem er seinen Bus ebenfalls in den Alpen gegen eine Wand steuerte, unter dem Einfluss von Antidepressiva standen.

Dass Antidepressiva Tötungsdelikte verursachen können, steht außer Zweifel.5,6,9,10,20,21,28–30 Daten des FDA Adverse Event Reporting System zeigten, dass SSRI die am stärksten und konsistentesten mit „Tötungsdelikten, Mordgedanken, körperlichen Übergriffen, körperlicher Misshandlung oder gewaltbezogenen Symptomen“ in Verbindung gebrachten Medikamente sind. 28 Eine Kohortenstudie aus Finnland ergab, dass die Einnahme von Antidepressiva das Risiko für Tötungsdelikte um 31 % erhöhte (P = 0,02),30 doch solche Studien unterschätzen das Risiko, da Personen, die das Medikament abgesetzt haben, infolgedessen unter Akathisie leiden und aus diesem Grund Tötungsdelikte begehen könnten, dabei jedoch als Nicht-Nutzer:innen gezählt würden.

Die Täter:innen leiden nicht immer unter Akathisie. Obwohl dies zu charakterunüblicher Gewalt prädisponiert, gibt es zusätzliche Wirkmechanismen, die das Risiko von Kriminalität und Gewalt erheblich erhöhen, darunter emotionale Abstumpfung, bei der Patient:innen sich weniger um sich selbst und andere kümmern; der Wegfall der üblichen Hemmungen, verbunden mit einem Verlust des Gewissens und der Kontrolle über das eigene Verhalten; sowie Psychosen.9,20

Charakteristisch für viele medikamenteninduzierte Tötungsdelikte und Tötungsversuche ist, dass die Täter:innen nach allen objektiven und subjektiven Maßstäben vor der Tat völlig normal waren; 20 dass sie nicht sie selbst waren und Schwierigkeiten hatten, zu verstehen, was geschehen war, nachdem sie die Medikamente abgesetzt hatten und wieder zu ihrem normalen Selbst zurückkehrten; und dass sie die Medikamente oft aus nicht krankheitsbezogenen Gründen eingenommen hatten, z. B. zum Spaß, wegen Stress, Schlaflosigkeit, Mobbing oder Eheproblemen.5,10,21,24

Mehrere aufsehenerregende Tötungsdelikte wurden von Patient:innen begangen, die sich in einem Entzugszustand befanden, der ebenfalls Akathisie auslösen kann.9,20 Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Psychiater:innen im Allgemeinen nicht wissen, was sie tun und welche Folgen sie damit verursachen, dass sie solche Vorfälle fast immer als Krankheitssymptome interpretieren und die Medikamentengabe fortsetzen oder die Dosis erhöhen.8,27

Ich kenne drei Menschen, die unter dem Einfluss von Antidepressiva getötet haben oder kurz davor standen, zu töten, und werde ihre Geschichten schildern.

Psychiatrische Verleugnung in Australien und Neuseeland

Im Jahr 2014 schrieb der australische Landwirt Bill Thomson, dessen einziger Sohn James sich im Alter von 19 Jahren unter der Einnahme von Venlafaxin das Leben nahm, dass er sich wünsche, ich würde eine Vortragsreise unternehmen, um die Menschen darüber aufzuklären, wie gefährlich Antidepressiva sind.31

Bill war ein hervorragender Organisator. Im Februar 2015 hielt ich innerhalb von 11 Tagen 17 Vorträge an öffentlichen Orten, in Krankenhäusern und an Universitäten und wurde für Radio, Fernsehen und Zeitungen interviewt. Über meinen Besuch berichteten 85 verschiedene Medien, und ein dänischer Dokumentarfilmer begleitete mich und drehte den Film Diagnosing Psychiatry.32

Kurz vor meiner Ankunft veröffentlichten zwei australische Kinder- und Jugendpsychiater:innen, Jon Jureidini und Peter Parry, sowie ich den Artikel „Dreams of a Quick Fix, Gone Awry“ über die Tour, in dem wir auf die Missstände in der Psychiatrie hinwiesen.33

Die Machtstrukturen in der australischen Psychiatrie waren sehr beunruhigend, und ich hörte viele Geschichten darüber, wie die Führungskräfte eine offene Debatte über Fragen von Leben und Tod verhindert hatten – insbesondere die Professoren Ian Hickie und Patrick McGorry, die zahlreiche Interessenkonflikte in Bezug auf die Pharmaindustrie hatten und unethische Studien durchgeführt hatten.31

Ein Jahr zuvor hatte Maryanne Demasi von der Australian Broadcasting Corporation (ABC) an einer Dokumentation über Antidepressiva gearbeitet. David Healy und ich verbrachten viel Zeit damit, Hickies Argumente zu widerlegen. Er tat sich mit McGorry zusammen, und ihre Macht war so groß, dass die ABC-Führung die Dokumentation absagte, als sie sich weigerten, vor der Kamera zu erscheinen. Das war falsch. Journalist:innen können einfach sagen, dass sie sich geweigert haben, Stellung zu nehmen.

Hickies Leugnung der Fakten war typisch für führende Psychiater:innen in jedem Land. Er bestritt, dass Antidepressiva das Suizidrisiko bei Kindern erhöhen, und berief sich dabei auf Robert Gibbons’ Arbeit, was wissenschaftlich unehrlich ist;6 er behauptete, die „Black-Box“-Warnung der FDA bezüglich des Suizidrisikos sei nicht gerechtfertigt und habe möglicherweise Schaden angerichtet; er sagte, Suizidgedanken seien nicht dasselbe wie vollendete Suizide; und er vertrat die Ansicht, der Grund dafür, dass es keine breite Debatte über die Psychiatrie gebe, liege darin, dass die Kritik von Randgruppen stamme.

Im Jahr 2024 erklärte Hickie gegenüber ABC, dass die Zahl der Suizide und Suizidversuche sinke, wenn der Einsatz von Antidepressiva zunehme; dass Depressionen eine biologische Erkrankung seien, die zu sozialen Problemen führe, und nicht umgekehrt, was ebenfalls völlig falsch ist;34 und dass Antidepressiva und EKT „wunderbare Behandlungsmethoden“ seien.35 Vielleicht für Hickie, aber nicht für seine Patient:innen.27

Normale Australier:innen sind klüger als Hickie. In einer groß angelegten Umfrage waren die Befragten der Meinung, dass Antidepressiva, Neuroleptika, Elektroschocks und die Einweisung in eine psychiatrische Abteilung häufiger schädlich als nützlich seien.36 Dies stimmt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen überein,27 doch die Sozialpsychiater:innen, die die Umfrage durchgeführt hatten, waren mit den Antworten unzufrieden und argumentierten, man müsse die Menschen schulen, damit sie zu der „richtigen Meinung“ gelangten.

Bill organisierte 2018 eine weitere Vortragsreise unter dem Titel „Mental health in crisis“ in Australien und Neuseeland für den US-Wissenschaftsjournalisten Robert Whitaker, Autor zweier berühmter Bücher,8,13, und mich.

Maria Bradshaw aus Neuseeland, deren Sohn Toran sich im Alter von nur 17 Jahren erhängt hatte,6 unterstützte ihn dabei. Nach Torans Tod ließ Maria genetische Tests durchführen, die zeigten, dass er ein Langsammetabolisierer war und eine Überdosis erhalten hatte. Nach der Trennung von seiner Freundin war ihm Fluoxetin verschrieben worden. Ein Jahr später verschrieb ihm ein angehender Psychiater das Medikament erneut, gegen Marias Willen. Der Arzt stellte keine Diagnose und fand keine Anzeichen für Depressionen, Angstzustände oder sonstige psychische Störungen. Toran entwickelte bei beiden Gelegenheiten unter Fluoxetin schreckliche Symptome, die mit Akathisie vereinbar waren. Maria gründete die Organisation CASPER, in der Hinterbliebene von Suizidopfern anderen Opfern grober ärztlicher Behandlungsfehler helfen. Sie erzählte mir, dass die Medien CASPER einen Rückgang der Suizide unter Jugendlichen um 20 % zugeschrieben hätten.

Während der Vorbereitungen für die Tour erzählte mir Bill, dass die Verantwortlichen an der Universität Auckland so sehr daran interessiert waren, mich als Redner zu gewinnen, dass sie uns einen Veranstaltungsort kostenlos zur Verfügung stellten. Zwei Tage zuvor hatte sich eine Studentin eine Woche nach Beginn der Einnahme eines SSRI das Leben genommen. Außerdem hatten sie 2011 einen Studenten durch einen Aufsehen erregenden Mord verloren, zwei Wochen nachdem die Dosis des Antidepressivums eines jungen Mannes verdoppelt worden war.

Ein Kanadier, David Carmichael, hörte von den Vorbereitungen und bot an, sich uns anzuschließen, um über die Rolle von Antidepressiva bei der Tötung seines Sohnes Ian zu referieren, was wir annahmen. David wurde 2003 Paroxetin verschrieben, um ihm bei der Bewältigung von finanziellen Sorgen zu helfen, nachdem ihm fälschlicherweise37 gesagt worden war, er habe ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn.38 Ein Jahr später begann er erneut mit der Einnahme des Medikaments, wegen Angstzuständen, die durch Schlafmangel verursacht wurden. Er erlitt eine medikamenteninduzierte Psychose und erwürgte in aller Ruhe seinen 11-jährigen Sohn Ian.

David hielt es aufgrund seiner Wahnvorstellungen für moralisch richtig, Ian das Leben zu nehmen – was ihm jedoch keinen Sinn mehr ergab, als er nach dem Absetzen von Paroxetin nicht mehr psychotisch war.

Er wurde wegen Mordes ersten Grades angeklagt, jedoch aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit für nicht schuldfähig befunden, worüber sich die Psychiater:innen beider Seiten einig waren. Im Jahr 2008 erhielt er eine bedingte Entlassung, die es ihm ermöglichte, wieder mit seiner Frau und seiner Tochter zusammenzuleben, und ein Jahr später eine endgültige Entlassung. Danach baute er sich eine Karriere als Verfechter der Sicherheit von verschreibungspflichtigen Medikamenten auf.

Doppelmord in Holland

Ich war 2016 als Sachverständiger in einem Doppelmordfall in Holland tätig, bei dem – wie in so vielen dieser Fälle6 – schwerwiegendes berufliches Fehlverhalten eine entscheidende Rolle spielte.39

Es war eine grauenvolle Geschichte. Aurélie Versluis tötete ihre beiden Kinder, während sie unter unbestreitbaren Akathisie-Symptomen unter der Einnahme von Paroxetin litt, doch ihre Hilferufe wurden ignoriert. Als sie suizidgefährdet wurde, riet ihr Psychiater:innen zur fortgesetzten Einnahme des Medikaments, anstatt es abzusetzen.

Versluis erzählte zwei Personen von Albträumen, in denen sie ihren Kindern die Kehle durchschnitt (was sie schließlich auch tat und dabei zudem versuchte, Suizid zu begehen). Zwei Tage vor den Tötungsdelikten teilte sie ihrem Vorgesetzten und mehreren anderen Personen mit, dass sie krank sei und sich nicht wohlfühle. Sie suchte ihren Hausarzt auf, der ihr Paroxetin verschrieben hatte, sowie ihren Betriebsarzt, doch beide wiesen sie ab, und ihr Psychologe hatte keine Zeit für sie.

Sie war nicht sie selbst, was ein forensischer Psychiater drei Tage nach den Tötungsdelikten bestätigte, doch ihre Ärzt:innen fügten ihr weiterhin Schaden zu. Sie setzten Paroxetin im psychiatrischen Gefängnis abrupt ab, was zu schweren Schäden führte, die fünf Monate lang anhielten.

Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren und eine Einweisung in eine Klinik zur Zwangsbehandlung. Ich sagte Versluis’ Anwalt, dass nichts bei ihr helfen würde, außer sie von Psychopharmaka fernzuhalten. Versluis wurde zu 9 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Sie hätte wegen drogeninduzierter Unzurechnungsfähigkeit freigelassen werden müssen.

Der Sachverständige der Staatsanwaltschaft, Professor Anton Loonen, hatte keine Einwände gegen meine Aussage, in der ich auch Kritik an seinem Gutachten für das Gericht äußerte.

Mitten im Verfahren überreichte er dem Gericht plötzlich ein Dokument, das er auf Niederländisch verfasst hatte. Er vermutete, ich leide unter einer psychischen Störung, die mich ernsthaft enthemmt, und riet, ich solle mich von einem Arzt untersuchen lassen, um mich vor mir selbst zu schützen. Der Mangel an Ethik in der Psychiatrie scheint grenzenlos zu sein.

Versluis wies unverkennbare Symptome einer Akathisie auf, doch Loonen war anderer Meinung und hielt sich für einen Experten auf dem Gebiet der Akathisie.

Ich kontaktierte Versluis im Jahr 2024 und fragte sie, ob ich sie für unser Dokumentarfilmprojekt über die Psychiatrie interviewen dürfte.40 Sie lehnte ab. Sie hatte einen neuen Namen angenommen, war aus dem Gefängnis entlassen, hatte einen Job und einen Freund und funktionierte gut im Alltag.

Im Jahr 2025 bat sie mich um ein Treffen, als sie mit ihrem Freund im Urlaub in Kopenhagen war. Sie hatte ihn im Gefängnis kennengelernt, wo er eine Haftstrafe verbüßte, weil er seine Frau getötet hatte – ebenfalls unter dem Einfluss eines Psychopharmakons. Ich fragte sie, wie sie sich jetzt, so viele Jahre später, fühle. Sie weinte immer noch, wenn sie an ihre beiden Kinder dachte.

Zwei weitere Kinder, die durch die Psychiatrie ums Leben kamen – in einer endlosen Reihe von Menschen, die sich selbst oder andere töteten, während sie Medikamente einnahmen, die bei ihnen nicht wirkten.41 Die Verleugnung durch Fachleute tötet.

Doppelmord nur durch reines Glück verhindert

Die britische Dokumentarfilmerin Katinka Blackford Newman, ebenfalls Opfer eines schrecklichen ärztlichen Behandlungsfehlers, stand kurz davor, ihre beiden Kinder zu töten.39 Während ihrer Scheidung im Jahr 2012 wurde ihr Escitalopram verschrieben, obwohl sie nicht depressiv, sondern lediglich verzweifelt war.

Katinka lud mich 2016 zur Vorstellung ihres Buches „The pill that steals lives“42 ein. Sie erzählte dem Publikum, dass sie großes Glück habe, noch am Leben zu sein und keine lebenslange Haftstrafe verbüßen zu müssen, da sie ihre beiden Kinder hätte töten können, nachdem die Tabletten bei ihr eine Psychose ausgelöst hatten.43 Sie hat einen sehr bewegenden 8-minütigen Film44 über ihre Geschichte gedreht, und auf ihrer Homepage45 finden sich Links zu Dokumentationen und Berichten über Menschen, die sich selbst oder andere getötet haben oder auf andere Weise durch Antidepressiva schwer geschädigt wurden.

Katinkas Psychiater:innen erkannten nicht, dass es die Pille war, die sie krank gemacht hatte. Sie diagnostizierten eine psychotische Depression und zwangen sie, im Krankenhaus zu bleiben und einen gefährlichen Medikamentencocktail einzunehmen. Doch ihr elfjähriger Sohn Oscar wusste, dass es an den Pillen lag. Was sie rettete, war, dass ihre private Krankenversicherung auslief.

Ich schrieb in der Einleitung zu ihrem Buch, dass es anschaulich beschreibt, wie ganz normale Menschen zu Mörder:innen werden können, wenn sie Antidepressiva einnehmen. Ich habe Katinka für unseren Film- und Interviewkanal interviewt,46 und sie wird auch in unserer kommenden Dokumentation The Illusion of Psychiatry zu sehen sein.40

Mangelnde Gerechtigkeit

Das Justizsystem geht in der Regel hart gegen Menschen vor, die unter dem Einfluss von Antidepressiva einen Tötungsdelikt begehen, und es ist höchst unwahrscheinlich, dass Psychiater:innen wegen ärztlicher Behandlungsfehler verurteilt werden. Das liegt daran, dass Richter sich auf Sachverständige verlassen, die ihre Kolleg:innen nicht des Fehlverhaltens bezichtigen und nicht zugeben, dass die Medikamente Tötungsdelikte verursachen können.47

Psychiater:innen lügen routinemäßig vor Gericht, und ich habe in Gerichtsverfahren in Dänemark, Alaska, den Niederlanden, Quebec und Norwegen erlebt, dass es den Richter:innen völlig gleichgültig ist, dass das, was ihnen von den Sachverständigen gesagt wurde, unwahr war.6,27,39,47,48

Ich kann diese Urteile nicht nachvollziehen, da wir in einem Einzelfall nicht zweifelsfrei sagen können, dass das Medikament keine Rolle bei der Tötung gespielt hat.

Die amerikanische Vorgehensweise bei solchen Tötungsdelikten ist besonders grausam. Kurt Danysh war 18 Jahre alt, als ihm 1996 von einem Hausarzt Fluoxetin verschrieben wurde, der keinerlei psychologische Tests durchgeführt hatte.6 Er wurde unruhig und gewalttätig und erschoss zwei Wochen später in einer für ihn völlig untypischen Verfassung seinen Vater, den Menschen, den er am meisten liebte.49 Doch obwohl der Sachverständige der Staatsanwaltschaft selbst erklärte, dass Kurts kriminelle Handlungen auf einer durch ein bewusstseinsveränderndes Medikament verursachten Unzurechnungsfähigkeit beruhten, wurde Kurt zu einer Freiheitsstrafe von 22,5 bis 60 Jahren verurteilt.

Eli Lilly log vor Gericht und behauptete, Fluoxetin würde kein aggressives Verhalten hervorrufen. Später stellte sich heraus, dass Lilly Daten aus dem Jahr 1988 zurückgehalten hatte, die einen Zusammenhang zwischen Fluoxetin und Gewalt belegten.22 Tierversuche haben bestätigt, dass Fluoxetin Aggressionen auslösen kann, z. B. bei Mäusen50 und Hamstern.51

In einem Schreiben aus dem Jahr 2014, in dem er sich für eine Strafmilderung für Kurt aussprach, schrieb sein Staatsanwalt, er sei überzeugt, dass Prozac eine Rolle bei dem Tötungsdelikt gespielt haben könnte, doch der Richter stellte fest, dass ihm die rechtliche Befugnis zur Strafmilderung fehle.49

Kurt erwarb während seiner Haft einen Abschluss als Rechtsassistent und startete die SAVE-Kampagne (Stop Antidepressant Violence from Escalating) in der Hoffnung, andere Kinder vor seinem Schicksal zu bewahren. Er wurde 2020 nach Verbüßung von 24 Jahren Haft entlassen und steht bis zum Alter von 78 Jahren unter Bewährungsaufsicht.

David Crespi nahm Fluoxetin und drei weitere Medikamente ein, die er seit einigen Wochen eingenommen hatte, als er 2006 seine beiden fünfjährigen Zwillingstöchter mit einem Messer tötete.52,53 Er bekannte sich schuldig, um der Todesstrafe zu entgehen, und erhielt in North Carolina zwei aufeinanderfolgende lebenslange Freiheitsstrafen ohne Möglichkeit der Bewährung, obwohl er nach dem Absetzen der Medikamente wieder zu seinem alten Selbst zurückfand. Seine Frau kämpfte in den folgenden 20 Jahren für ihn und setzte sich gegen den Einsatz von SSRI ein, leidet nun jedoch an schwerer Parkinson-Krankheit, die eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erfordert.

Wo liegt die Logik darin, dass ein unzurechnungsfähiger Mensch, der eine Person getötet hat, nach 24 Jahren wieder ein freier Mann wurde, während ein anderer unzurechnungsfähiger Mensch, der zwei Menschen getötet hat, niemals aus dem Gefängnis entlassen wird? Warum wird Crespi niemals zu seiner Familie und seinen anderen drei Kindern zurückkehren können? Wem nützt das?

Im Jahr 1989 erschoss Joseph Wesbecker acht Menschen, verletzte zwölf weitere und nahm sich einen Monat, nachdem er mit der Einnahme von Fluoxetin begonnen hatte, das Leben.6,22 Lilly erwirkte ein Geschworenenurteil und behauptete, es sei „vor Gericht bewiesen worden …, dass Prozac sicher und wirksam ist“. Der Prozessrichter vermutete jedoch, dass eine geheime Vereinbarung mit den Klägern getroffen worden war, und zwang Lilly schließlich, dies zuzugeben. Wütend über Lillys Vorgehen ordnete er an, die Feststellung von einem Urteil zugunsten von Lilly in „wegen Vergleichs mit Rechtskraft abgewiesen“ zu ändern..

Der Psychiater Peter Breggin war als Gutachter zur Unterstützung der Familie tätig, aber sein eigener Anwalt, der von dem geheimen Deal wusste, hinterging ihn und trug einen schwachen Fall vor.9 Nach dieser Vereinbarung schickte Breggins Anwalt die aufschlussreichen Dokumente an Lilly zurück, wo sie unter Verstoß gegen das Gesetz verschwanden, wodurch weitere Klagen verhindert wurden. Alarmierenderweise verschwanden belastende Dokumente auch bei der FDA.22 Während Lilly in den 1990er Jahren öffentlich schwor, dass Fluoxetin das Risiko für Suizid oder Gewalttaten nicht erhöhe, regelte das Unternehmen Klagen stillschweigend außergerichtlich und hielt die belastenden Beweise geheim, indem es gerichtliche Anordnungen zur Versiegelung der Dokumente erwirkte.

In Kanada entschied ein Richter im Jahr 2011, dass Fluoxetin einen 16-jährigen Jungen dazu veranlasst hatte, einen Freund mit einem Messer zu erstechen.20,54 Er war ein anderer Mensch geworden: impulsiv, unberechenbar und suizidal, mit Gewaltfantasien. Seine Familie und sein Hausarzt wiesen die verschreibende psychiatrische Klinik auf den sich verschlechternden Zustand des Jungen hin und äußerten Bedenken hinsichtlich der Fortführung von Prozac, aber die Klinik führte das Medikament weiter und verdoppelte die Dosis.

Der Richter erklärte, dass die grundlegende Normalität des Jungen nach dem Absetzen von Prozac bestätige, dass er keine Gefahr mehr für irgendjemanden darstelle und keine Merkmale eines Gewalttäters aufweise. Er verurteilte den Jungen zu 10 weiteren Monaten Haft, nachdem dieser bereits zwei Jahre abgesessen hatte.

Diejenigen, die im Gefängnis hätten sitzen sollen, sind die Psychiater:innen des Jungen – wegen schwerwiegender ärztlicher Behandlungsfehler, da Health Canada bereits 2004 davor gewarnt hatte, dass SSRI Gewalt auslösen könnten.7

Im Jahr 2001 befand eine US-Jury SmithKline Beecham (heute GlaxoSmithKline, GSK) für durch Paroxetin verursachte Todesfälle haftbar.11,29 Der 60-jährige Donald Schell hatte Paroxetin erst seit 48 Stunden eingenommen, als er seine Frau, seine Tochter, seine Enkelin und sich selbst erschoss. Interne Dokumente zeigten, dass dem Unternehmen bekannt war, dass Menschen durch Paroxetin gewalttätig werden könnten, es jedoch keine Warnung davor aussprach. Die Dokumente enthüllten zudem, dass gesunde Proband:innen unter Angstzuständen, Albträumen, Halluzinationen und anderen Nebenwirkungen von Paroxetin gelitten hatten und dass zwei von ihnen einen Suizidversuch unternommen hatten.

Im Jahr 2002 log der GSK-Sprecher Dr. Alistair Benbow vor laufender Kamera in den BBC-Dokumentationen über Paroxetin.6,55 Er bestritt, dass Paroxetin Suizidgedanken oder Selbstverletzungen auslösen könne, während er einen Monat später Daten an die britische Arzneimittelbehörde übermittelte, die genau dies belegten. Auch die Arzneimittelbehörde belog die Öffentlichkeit und behauptete, diese Informationen seien für GSK völlig neu – obwohl das Unternehmen bereits seit rund zehn Jahren davon wusste. Der Leiter der Arzneimittelbehörde schloss sich sogar der unwahren Behauptung der Pharmaunternehmen an, dass nicht das Medikament, sondern die Krankheit das Suizidrisiko erhöhe.

Selbst zehn Jahre nach dem Schell-Urteil bestritt GSK, dass Paroxetin Menschen zu Mord und Suizid veranlassen könne und dass Entzugssymptome aufträten.56

Derzeit steht Lindsay Clancy aus Massachusetts vor Gericht.57 Ihr werden drei Fälle von Mord ersten Grades zur Last gelegt, nachdem sie ihre drei Kinder erwürgt und versucht hatte, Suizid zu begehen, indem sie aus einem Fenster im zweiten Stock in ihren Hinterhof sprang, wodurch sie querschnittsgelähmt wurde. Dies ist eine weitere schreckliche Geschichte von ärztlichem Fehlverhalten, das eine glückliche und fürsorgliche Mutter nach der Geburt in den Wahnsinn trieb.

Schlussfolgerungen

Die Verbrechen der Psychiatrie gegen die Menschlichkeit müssen ein Ende finden.27 Wir müssen vor den Schäden durch Antidepressiva warnen und diejenigen vor Gericht bringen, die durch Lügen und ärztliche Behandlungsfehler zu Suiziden und Tötungsdelikten beitragen. Und wir müssen darauf bestehen, dass Patient:innen umfassend gewarnt und aufgeklärt werden, wenn Ärzt:innen diese gefährlichen Medikamente verschreiben wollen.

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Literaturverzeichnis

1 Bass A. Side Effects – a prosecutor, a whistleblower, and a bestselling antidepressant on trial. Chapel Hill: Algonquin Books; 2008.

2 Gøtzsche PC. Observational studies confirm trial results that antidepressants double suicides. Mad in America 2025;Feb 8.

3 New Pediatric Labeling Information Database – Detail. FDA 2003;Jan 3.

4 Package insert for Lexapro (escitalopram). FDA 2017;Jan.

5 Gøtzsche PC. Deadly medicines and organised crime: How big pharma has corrupted health care. London: Radcliffe Publishing; 2013.

6 Gøtzsche PC. Deadly psychiatry and organised denial. Copenhagen: People’s Press; 2015.

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45 Antidepressant risks. Standing up for a safer world.

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51 Ricci LA, Melloni RH Jr. Repeated fluoxetine administration during adolescence stimulates aggressive behavior and alters serotonin and vasopressin neural development in hamsters. Behav Neurosci 2012;126:640-53.

52 Kim Crespi wants husband David Crespi, who murdered their twin daughters, out of prison. Huffington Post 2012;Oct 3.

53 Counts G. Father who killed daughters in 2006 stops communication from prison. WSOC TV 2026;Jan 30.

54 Breggin PR. Judge agrees Prozac could have made teen a killer. Huffington Post 2011;Oct 3.

55 Secrets of the drugs trials: Transcript. BBC 2007;Jan 31.

56 Boseley S. Murder, suicide. A bitter aftertaste for the ‘wonder’ depression drug. Guardian 2011;June 11.

57 Carmichael D. In the Lindsay Clancy case, polypharmacy will be on trial. Mad in America 2026;July 17. Übersetzt bei Mad in Deutschland

Mad in Deutschland veröffentlicht Blogbeiträge einer vielfältigen Gruppe von Autor:innen. Diese Beiträge sollen zur Diskussion über Psychiatrie und ihre Behandlungsmethoden in Deutschland anregen. Die geäußerten Meinungen sind die der Autor:innen.

Peter C. Gøtzsche
Peter C. Gøtzsche
Peter C. Gøtzsche, MD, hat mehr als 100 Artikel in den fünf renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht, und seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden über 150.000 Mal zitiert. Er hat mehrere Bücher zum Thema Psychiatrie veröffentlicht, darunter „Deadly Psychiatry and Organised Denial“, „Mental Health Survival Kit and Withdrawal from Psychiatric Drugs“ und „Critical Psychiatry Textbook“. Derzeit sammelt er über Crowdfunding Spenden für sein Institut für wissenschaftliche Freiheit, dessen Ziel es ist, Ehrlichkeit und Integrität in der Wissenschaft zu bewahren.

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