„Das Einzige, was für den Triumph des Bösen notwendig ist, ist, dass gute Menschen nichts tun“, sagte Edmund Burke. Das gilt auf der Weltbühne ebenso wie auf dem Spielplatz, wo der Tyrann über zahlreiche Kinder herrscht, die zu viel Angst haben, sich seinem Verhalten zu widersetzen. So und deshalb setzen sich Tyrannen durch. Was, fragen Sie sich vielleicht, hat das mit dem heutigen psychiatrischen Paradigma zu tun? Alles. Sowohl in der Behandlung als auch im beruflichen Umfeld setzen sich Tyrannen durch.
Aus meiner eigenen Erfahrung als Patientin und Ärztin habe ich dies aus erster Hand miterlebt. Ich habe die Auswirkungen dieses Mobbings auf mich selbst ertragen und habe auch die Auswirkungen auf meinen Mann und meine Kinder miterlebt. Sie haben immer noch Schwierigkeiten zu verstehen, was mit mir passiert ist.

Meine ganze Familie hat in den sieben Jahren seit 1994, als ich wiederholt als Psychiatriepatientin hospitalisiert, unter Drogen gesetzt und mit EKT behandelt wurde, schrecklich gelitten. Hinzu kam, dass mich einige Krankenpfleger:innen in den letzten Jahren, in denen ich mehr Zeit im Krankenhaus als zu Hause verbrachte, beschuldigten, „nicht gesund werden zu wollen”, und die Ärztinnen und Ärzte drängten, mich als „Persönlichkeitsstörung” einzustufen.
Als letzten Ausweg unterzog ich mich im September 2001 einer experimentellen Psychochirurgie (bilaterale anteriore Cingulotomie). Diese war nie als Heilung gedacht, sondern sollte nur in den schwersten Fällen von behandlungsresistenter Depression, in denen die Psychiater keine anderen Mittel mehr zur Verfügung hatten, eine geringe Chance auf Besserung bieten. Von dem einem Drittel der Fälle, die laut Bericht auf die Behandlung ansprachen, wurde mindestens neun Monate nach der Operation keine Besserung erwartet.
Zur großen Überraschung aller erholte ich mich nach acht Tagen unerwartet und sehr plötzlich. Die Psychiater:innen konnten sich das einfach nicht erklären und schrieben es einer Placebo-Reaktion zu. Aber es ging mir weiterhin gut, und schließlich wurde die Unterbringungsanordnung aufgehoben. Ich wurde aus dem Krankenhaus entlassen und von der Zwangsbehandlung befreit.
Zu diesem Zeitpunkt waren alle unsere Kinder Teenager – und unsere älteste Tochter hatte bereits das Haus verlassen, um ihre neue Karriere als Tänzerin zu beginnen. Natürlich war ich überglücklich, wieder zu Hause zu sein, aber ich war immer als „die Patientin” angesehen worden, isoliert von meinem sozialen und familiären Umfeld. Wir erhielten keine Beratung oder Unterstützung von den Gesundheitsdiensten, um unserer Familie zu helfen, sich an diese enorme Veränderung unserer Lebensumstände anzupassen.
Nachdem die anfängliche Euphorie der Familie über meine unerwartete Genesung abgeklungen war, war es für uns alle eine sehr, sehr stressige Zeit. Meine Ehe mit Phil durchlief eine weitaus schwierigere Phase als in den Jahren zuvor. Es spricht für unsere Beziehung, dass wir sie überstanden haben, genauso wie es für meinen Mann spricht, dass er so hartnäckig daran festgehalten hat, unsere Kinder zu beschützen und vor den Fängen des Sozialdienstes zu bewahren, während ich krank war. Die Kinder hatten kaum Gelegenheit, über das zu sprechen, was sie beschäftigte. Meine Krankheit war stigmatisiert, und deshalb konnten sie ihre eigenen Gefühle in der Schule oder gegenüber Gleichaltrigen kaum zugeben. Wir fanden zwar einen Berater für eines der Kinder, aber das war kein großer Erfolg; der Berater fand Gründe, unsere Erziehung zu kritisieren, und kam zu uns nach Hause, um uns das mitzuteilen.
Es ist erstaunlich, dass wir das alles überstanden haben, aber wir haben es geschafft.
Vor der emotionalen Krise, die 1994 als Depression diagnostiziert wurde, stand ich kurz vor dem Beginn einer postgradualen Ausbildung zur Fachärztin für Notfallmedizin. Ironischerweise erwog ich 2001, nachdem ich diese erste albtraumhafte Erfahrung als Psychiatriepatientin überstanden hatte, einen Karrierewechsel zur Psychiatrie, weil ich Menschen wie mir helfen wollte. Aber es war eine Herausforderung, überhaupt wieder zu arbeiten. Im Jahr 2002 fühlte ich mich in meiner Rolle als sehr junge Ärztin in der Notfallmedizin glücklich. Ich war entschlossen, die schlechte Einstellung gegenüber Patient:innen, die mit sogenannten „psychischen Problemen” zu uns kamen, zu beseitigen. Ich erkannte jedoch schnell, dass die Ablehnung gegenüber Menschen mit psychiatrischen Diagnosen in allen Bereichen der Medizin allgegenwärtig war und dass es eine enorme Aufgabe war, die Herzen und Köpfe der Menschen zu verändern.
(Zur Klarstellung: In diesem Blog verwende ich die Begriffe „psychische Erkrankung”, „psychische Probleme” und „psychiatrische Diagnose” synonym. Ich tue dies nur, um das medizinische Paradigma zu veranschaulichen, das bis heute besteht. Ich bin kein Fan dieser Begriffe und halte es nicht für hilfreich, die Not oder Erfahrungen einer Person, die sich in unerwünschten Symptomen oder Verhaltensweisen äußern, als „Störung” zu bezeichnen.)
Es erforderte Mut, über meine Erfahrungen als Patientin zu sprechen, und ich war überrascht, wie sehr dies die Neugier meiner Kolleg:innen weckte. Vielleicht war es das Sprechen über das Unaussprechliche, das Mutige, während ich mich gleichzeitig als „defekt“ identifizierte – da psychische Erkrankungen als Charakterschwäche angesehen wurden –, was anderen als Widerspruch erschien. Ermutigt durch die positiven Reaktionen, nutzte ich die Gelegenheit und durfte einige Lehrveranstaltungen durchführen. Da ich es nicht besser wusste, hielt ich immer noch an den biomedizinischen Theorien fest und war von den Psychiater:innen überzeugt worden, dass meine jahrelange behandlungsresistente Depression durch ein physisches Phänomen wie ein chemisches Ungleichgewicht verursacht wurde, das die Wissenschaft noch nicht vollständig aufgeklärt hatte. Das war auch die Information, die meine Familie erhalten hatte – und sie hatte keinen Grund, daran zu zweifeln. Ich hielt mich jedoch nicht zurück, als ich einige der verabscheuungswürdigen Behandlungsmethoden beschrieb, denen ich als Patientin ausgesetzt war.
Das Streben nach Macht – und das Versagen der Psychiatrie, sich selbst zu erkennen
Die Psychiatrie ist von allen medizinischen Fachgebieten dasjenige, das über Weisheit in Bezug auf menschliches Verhalten verfügen sollte, aber niemand ist so blind wie diejenigen, die sich selbst nicht erkennen können. Leider hat die Psychiatrie schon immer diejenigen angezogen, die nach Macht streben. Und da sie der einzige Bereich der Medizin ist, in dem Macht legitimiert und gefördert wird, bietet sie genau das richtige Umfeld für Menschen mit solchen Neigungen, um sich in aller Öffentlichkeit zu verstecken. Zwar gibt es in der Psychiatrie ebenso viele gute Menschen, die sich für Menschen in Not engagieren wie in anderen Bereichen, doch scheinen sie nicht in der Lage oder nicht willens zu sein, sich zu behaupten und „Nein” zu dem Unrecht zu sagen, das den Patient:innen angetan wird.
Wenn ich also die Metapher des Spielplatzes auf die psychiatrische Praxis übertrage, sehe ich den Patienten als Opfer, das von den vielen wohlmeinenden Praktiker:innen unter dem Einfluss ihrer bösartigen Ideologie gemobbt wird. In gewisser Weise sind solche Praktiker:innen sowohl Opfer von Mobbing als auch selbst Mobber:innen.
Es ist kein Zufall, dass diejenigen, die tatsächlich gut in ihrem Job sind und echte und hilfreiche Betreuung leisten wollen, letztendlich die böswillige Atmosphäre in psychiatrischen stationären Einrichtungen verlassen und in der Gemeinde arbeiten, wo sie mehr Freiheit haben, das Richtige zu tun. Das habe ich während meiner Arbeit und meiner Behandlung aus erster Hand miterlebt. Es gab natürlich einige wenige Mutige, die in den Stationen blieben und verzweifelt auf eine Veränderung der Situation hofften, aber allzu oft mussten sie ihre Grundwerte kompromittieren und litten infolgedessen unter moralischen Verletzungen oder Burnout.
All dies hatte tiefgreifende Auswirkungen auf meinen Mann und meine Kinder. Als Familie hatten wir nicht darüber gesprochen, was während meiner Depression passiert war, und diese Zurückhaltung hat sich seitdem fortgesetzt. Innerhalb von fünf Jahren nach meiner „Genesung” hatten die Kinder ihr Leben weitergelebt, mein Mann wurde entlassen, und als Paar zogen wir schließlich nach Aberdeen in Schottland, wo Phil eine neue Stelle gefunden hatte; als Familie lebten wir nie wieder alle unter einem Dach. Ich wurde vom neuen Dekanat angenommen und hatte im Rahmen meines Plans, meine Ausbildung in Notfallmedizin abzuschließen, eine Stelle im örtlichen Krankenhaus. Aber einer der Manager dort war ein Tyrann, und ich weigerte mich, mich seinem Regime der Demütigung zu unterwerfen.
Es war 2006, und ich war begeistert, als mir eine Stelle als Assistenzärztin in einer stationären psychiatrischen Abteilung ebenfalls in Aberdeen angeboten wurde. Ich erwartete, den Erfolg zu sehen, den Psychiater:innen immer behaupteten zu haben, wenn sie meine eigene psychische Erkrankung behandelten. Sie hatten mir gesagt, wie selten es sei, dass jemand so resistent gegen Behandlungen sei wie ich, daher war ich schockiert, als ich feststellte, dass sich kaum einer der Patient:innen auf meiner Station besserte. Sie steckten einfach in endlosen Behandlungszyklen fest und blieben jahrelang auf den Listen der Psychiater:innen. Das war der Auslöser, der mich dazu zwang, ernsthaft zu hinterfragen, was in der Psychiatrie vor sich ging.
Ich dachte immer wieder, wenn die Medikamente, die wir für psychiatrische Erkrankungen verschrieben, tatsächlich die richtige Behandlung wären, dann müssten die Patient:innen doch sicher genesen. Ebenso sollte die EKT die Genesung beschleunigen. Allzu oft war dies jedoch nicht der Fall. Ich war verwirrt. Was war mit der Norm passiert? Dann wurde mir plötzlich klar: Der Streit, den ich mit dem Pflegepersonal gehabt hatte, das mir ständig vorwarf, ich wolle „nicht gesund werden“, und das wollte, dass ich erneut mit „Persönlichkeitsstörung“ diagnostiziert werde? Das war es. PD (PD steht für Personality Disorder, auf deutsch Persönlichkeitsstörung) war genau die „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte, mit der die Psychiatrie den Patient:innen die Schuld für ihr Scheitern gab. Aus meiner neuen Perspektive als Psychiaterin sah ich dies immer wieder.
Das war zwar der Beginn meines Erwachens, und ich begann vorsichtig zu hinterfragen, was mit anderen geschah, aber ich war noch nicht bereit, mich eingehend mit dem zu befassen, was mit mir geschehen war.
Um es klar zu sagen: Die meisten Psychiater:innen glauben aufrichtig, dass sie Recht haben, trotz aller gegenteiligen Beweise. Sie mögen charmant und gutmütig sein, aber das reicht nicht aus, um Menschen dazu zu bewegen, ihre Meinung zu ändern. Die meisten Psychiater:innen, die heute noch praktizieren, glauben weiterhin, dass es keine Alternative zu den aktuellen traditionellen Ansichten gibt, und verwenden das Diagnostic and Statistical Manual (DSM) und die International Classification of Diseases (ICD), um ihre Patient:innen zu diagnostizieren und unwissenschaftliche Behandlungen zu verschreiben. Es erfordert Mut, den Status quo in Frage zu stellen, was sie ihre Karriere kosten und ihren Lebensunterhalt gefährden könnte.
Was meine Arbeit in diesem System angeht, so konnte ich es nicht mehr ertragen. Ich konnte nicht weiter Rezepte für Psychopharmaka ausstellen, die die Menschen noch kränker machten, ohne dass sie Hoffnung auf Besserung hatten. Ich war unglücklich wie die Hölle in diesem Höllenloch, das mein eigener Beruf geschaffen hatte. Aber ich hielt meine Reaktion angesichts der Situation nicht für normal oder gerechtfertigt – denn niemand sonst tat dies. Anscheinend war ich diejenige, die abnormal war. Ich war die Außenseiterin, und was mir widerfuhr, war ein klares Zeichen dafür, dass ich einen Rückfall erlitten hatte. Ich werde nie das Gefühl der Hoffnungslosigkeit vergessen, als mir klar wurde, dass ich in einem Beruf feststeckte, den ich hasste. Der Tyrann, der mich aus der Notfallmedizin vertrieben hatte, war ein einflussreicher Arzt in derselben Gegend, und ich glaubte ihm, als er sagte, er würde dafür sorgen, dass ich nie wieder in den Beruf zurückkehren würde, in dem ich mich so wohlgefühlt hatte.
Wir waren 600 Meilen von Freund:innen und Familie entfernt gezogen, und ich kannte niemanden. Noch bevor das Jahr 2006 zu Ende war, hatte ich meiner Verzweiflung nachgegeben und mich einer zweiten Behandlung unterzogen; ich wurde ins Krankenhaus eingeliefert und war wieder in der Rolle einer Psychiatriepatientin. Unsere Kinder waren wütend. Ich hatte sie enttäuscht, indem ich wieder „krank” geworden war, aber noch schlimmer war, dass ich sie nicht vorgewarnt hatte, dass dies eine Möglichkeit war. Ich hatte ihnen gesagt, ich sei geheilt. Doch nun war ich wieder hier, unter Medikamenten und unglücklich. Auch mein Mann war von Enttäuschung überwältigt.
Die Wahrheit erkennen und sie mit meiner Familie teilen
In jeder Situation hat ein Anführer per Definition Anhänger. Diejenigen, die Macht oder Verantwortung innehaben, scheinen immer genug Menschen zu haben, die bereit sind, sich bei ihnen einzuschmeicheln, ihre Befehle auszuführen und ihre Aufgaben zu erfüllen. Selbst Psychopath:innen delegieren ihre abscheulichen Verbrechen an ihre Anhänger. Aber wer auch immer der Anführer ist, meistens sind die Anhänger ganz normale Menschen wie du und ich, Leute, die schnell in den Hintergrund treten, wenn die Person an der Spitze in Ungnade fällt. Diese guten Menschen gibt es überall. Sie sind es, die unterdrückerische Regime stützen und niemals Gerechtigkeit für ihre Mitschuld erfahren werden. Sie sind es, die bei Kindesmissbrauch wegsehen oder die zu Handlangern wie Pol Pot in den Dschungeln Kambodschas werden, verantwortlich für den Völkermord in diesem schönen Land. Sie sind es, die in den Kolonien lebten und diskriminierende rassistische Praktiken guthießen.
Heute sind sie die direkten Nutznießer:innen der Pharmaindustrie, die wissen, welchen Schaden die Medikamente den Patient:innen zufügen; einige von ihnen sind vielleicht Psychiater:innen, Ärztinnen und Ärzte oder Krankenpfleger:innen, die sich weigern, die Augen zu öffnen, wenn sie mit ansehen müssen, wie ihre Patient:innen an schweren Nebenwirkungen leiden. So gut diese Menschen auch sein mögen, vielleicht haben sie auch zu viel Angst, den Status quo in Frage zu stellen. Vielleicht verschreiben sie deshalb lieber weiterhin unwirksame und giftige Medikamente, als sich der Realität zu stellen. Selbst gute Menschen sind in der Lage, sich selbst zu täuschen und zu glauben, dass sie das Richtige tun, selbst wenn sie Patient:innen festhalten oder unschuldigen Opfern eines bösartigen psychiatrischen Systems Medikamente aufzwingen.
Ich habe das oft erlebt, als ich in psychiatrischen Abteilungen gearbeitet habe, und nun war ich wieder gefangen. Wie so viele Patient:innen fühlte ich mich unfähig, mich zu verteidigen. Wir waren in geschlossenen Abteilungen untergebracht, ohne die Freiheit, zu kommen und zu gehen, obwohl wir kein Verbrechen begangen hatten und niemand für uns eintrat. Wir taten, was wir konnten, um zu überleben, und das Elend verstärkte unser Elend noch.
Nach sieben Monaten im Krankenhaus und weiteren EKT gelang es mir, meine Entlassung zu erwirken, aber ich war geschwächt. Ich war Zwangsmaßnahmen ausgesetzt gewesen – manchmal von den nettesten Menschen. Wie konnte ich mich darüber beschweren? Meine wahre Natur wurde durch hochdosierte Psychopharmaka unterdrückt, und ich fühlte nichts mehr. Ich war ein Niemand, und erst mein Umzug aus Schottland im Jahr 2009 half mir, mich aus diesem Sumpf zu befreien.
Die Möglichkeit, bei der Kinderbetreuung für eines der Enkelkinder zu helfen, gab mir den nötigen Antrieb, um weiterzumachen. Und doch lebte meine ganze Familie weiterhin in der Illusion, dass ich eine Krankheit hatte, die eine psychiatrische Behandlung erforderte. Selbst mein Mann – der sich inzwischen entschlossen hatte, selbst eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen – musste seine Gedanken in Schubladen stecken. Während seines dreijährigen Studiums versorgte er mich nach und nach mit alternativen Theorien und gab mir das Selbstvertrauen, mich gegen die Ratschläge meiner Psychiater:innen aufzulehnen. Als ich herausfand, dass die langfristige Einnahme von Medikamenten, die als Antipsychotika (Neuroleptika) eingestuft sind, das Leben verkürzen kann, übernahm mein Selbsterhaltungstrieb die Oberhand – und ich schaffte es, Flupentixol abzusetzen, wodurch die Sedierung nachließ. Ich konnte den größten Teil des Tages wach bleiben. Mein Gehirn muss sich wohl einigermaßen an die verbleibenden Medikamente angepasst haben, darunter die nicht zugelassenen hohen Dosen von Venlafaxin und Trazodon, aber ich musste dennoch mit schweren Nebenwirkungen leben.
Mein sehr liebenswürdiger Professor für Psychiatrie machte mir unmissverständlich klar, dass ich bei einer Reduzierung der Dosis oder beim Absetzen der Antidepressiva einen „Rückfall” erleiden und wieder schwer krank werden könnte (ohne auch nur mit einem Wort Entzug zu erwähnen). Die Angst sorgte dafür, dass ich mich fügte. Arbeiten war mir ausdrücklich verboten worden, da es meinem Wohlbefinden schaden würde, doch 2013 stärkte finanzielle Notwendigkeit meine Entschlossenheit, und ich kehrte zur Arbeit in einer örtlichen Notaufnahme zurück.
Die Rückgewinnung meiner Freiheit erfolgte schrittweise, und es dauerte bis 2018, bis ich mich vollständig aus den Fesseln der Psychiatrie befreien konnte. Es war nicht leicht, mich mit der Tatsache abzufinden, dass die gesamte psychiatrische Behandlung meinen Zustand nur verschlimmert hatte, unnötig gewesen war und langfristige Folgen für meine ganze liebe Familie hatte. Außerdem musste ich die Bücher, die ich über meine Krankheit geschrieben hatte, hinterfragen und schrieb schließlich ein weiteres aus meiner neuen Perspektive.
Seit ich selbst zur Wahrheit gekommen bin, gehe ich vorsichtig vor, wenn ich versuche, die Erkenntnisse weiterzugeben, für deren Gewinnung ich so lange gebraucht habe. Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen. Es bleibt die Tatsache, dass unsere Kinder in einem schwierigen Familienleben aufwachsen mussten, in dem ihre Mutter weitgehend abwesend war und ihr Vater damit beschäftigt war, genug Geld zu verdienen und den Haushalt allein und mit wenig Hilfe am Laufen zu halten. Auch wenn unsere Kinder wussten, dass sie geliebt wurden, erhielten sie während des siebenjährigen Albtraums nicht die emotionale Unterstützung, die sie so dringend brauchten. Als ihre Mutter stand ich im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit, obwohl sie als Kinder im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit hätten stehen sollen.
Sowohl Phil als auch ich erkennen, dass wir während meiner Krankheit und auch danach viele Fehler gemacht haben, die das Gefühl unserer Kinder, ihr Leben verpasst zu haben, noch verstärkt haben. Ich war überzeugt, dass ich ihre Wut verdient hatte, obwohl ich ihnen niemals wehtun wollte. Damals sah ich nur mein Versagen als Mutter, die ihnen nicht das Leben gegeben hatte, das ich mir für sie gewünscht hatte. Ich sah nicht, dass die Psychiatrie dafür verantwortlich war, und selbst die Überzeugung, dass ich eine schwere „biologische” Krankheit hatte, entlastete mich nicht. Die Selbstvorwürfe, die so entscheidend für meine Depression waren, waren immer noch sehr präsent. Die Psychiatrie hatte mich mit Tabletten behandelt, mir aber nie geholfen, die Ursachen meiner Not anzugehen. Da ich mir selbst die Schuld gab, wurde ich auch zum Ziel der Schuldzuweisungen, zum Sündenbock der Familie. Als ich endlich einen Ausweg aus der psychiatrischen Katastrophe fand, die mein Leben bestimmt hatte, war es, als wäre das gesamte Fundament unseres Verständnisses weggeblasen worden. Es war notwendig, zu den Traumata meiner Kindheit zurückzukehren und neu zu lernen, mich als einen guten Menschen zu sehen, der das Recht hatte, so zu fühlen, wie ich fühlte.
Oft bin ich ungeduldig und warte immer noch darauf, dass die Grundlagen sicher genug sind, um die notwendigen und sinnvollen Gespräche darüber zu führen, was wirklich passiert ist. Aber solche Gespräche müssen einvernehmlich sein und können nicht erzwungen werden. Meine Familie hatte mein Leben als unzuverlässig empfunden, wie eine Achterbahnfahrt, als ich plötzlich in eine tiefe Depression und Suizidgedanken verfiel. Wie können sie sicher sein, dass das nicht wieder passiert? Wie können sie es sich leisten, mir nahe zu kommen, wenn sie auf einer gewissen Ebene immer noch befürchten, dass ich sie plötzlich verlassen könnte? Es ist kaum verwunderlich, dass wir als Eltern das Vertrauen unserer Kinder neu gewinnen müssen.
Wir machen kleine Schritte, strecken die Hand aus und hoffen, dass wir alle eines Tages in unserer nun erweiterten Familie die Wahrheit erfahren: dass diese Alpträume endgültig vorbei sind. Jeder von uns muss sich mit tiefen Emotionen wie Wut und Bedauern auseinandersetzen, wenn wir erkennen, dass es auch anders hätte kommen können. Jeder von uns muss sich der Tatsache stellen, dass gute Menschen in der Psychiatrie nichts unternommen haben, genauso wie gute Menschen auch in anderen tragischen Umständen nichts unternehmen.
Ich hoffe, dass meine Familie erkennen wird, dass nicht alle Menschen so sind; ich hoffe, dass wir alle erkennen werden, dass es besser ist, das Richtige zu tun, als das Böse triumphieren zu lassen.