Um die Keto-Diät zu testen, brauchen wir einarmige statt randomisierter Studien

In einer kürzlich veröffentlichten randomisierten Studie zur Keto-Diät stammten die einzigen nützlichen Ergebnisse aus der vier-monatigen einarmigen Erweiterung.

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Substack-Kanal unserer Partnerseite Mad in America am 19.07.2026.

In einem Substack-Post am 16. Mai (den übersetzten Beitrag finden Sie hier), habe ich argumentiert, dass randomisierte Studien – die als Goldstandard in der Forschung gelten – die Zukunft der Keto-Diät als Therapie für psychiatrische Störungen in eine problematische Richtung lenken. Bis heute testen die randomisierten Studien die Keto-Diät nur als Begleittherapie zur Psychopharmakologie, anstatt als transformative Therapie, die den langfristigen Einsatz von Neuroleptika und anderen psychiatrischen Medikamenten minimieren könnte.

Eine neu veröffentlichte randomisierte Studie, die laut den Autor:innen die erste randomisierte Studie der ketogenen Ernährung für Menschen mit der Diagnose Schizophrenie oder bipolare Störung ist, unterstreicht die Nutzlosigkeit, diesen „Goldstandard“ zu verwenden, um die Möglichkeiten zu testen, die mit dieser Ernährungsform bestehen. Der Titel des Artikels, „Metabolic Improvements with a Ketogenic Diet Correlate with Symptom Improvement in Psychosis: A Randomized Control Trial“, suggeriert, dass die randomisierte Studie Beweise für einen Nutzen der Keto-Diät geliefert habe, obwohl der einzige Beweis für einen Nutzen tatsächlich aus dem Erweiterungsarm der Studie stammte.

Keine Messung psychiatrischer Medikamente

Die öffentliche Begeisterung für diese Ernährungsform beruhte auf anekdotischen Berichten von Patient:innen mit der Diagnose Schizophrenie und bipolare Störung, die nach der Umstellung auf diese Ernährungsform keine Medikamente mehr benötigten und vollständig genesen konnten. Das war die transformative Möglichkeit, die die öffentliche Fantasie beflügelte. Die Befürworter der „metabolischen Psychiatrie“ haben jedoch kürzlich eine Konsensserklärung veröffentlicht, wonach die Ernährung als “Begleittherapie zu Erstlinienbehandlungen bei schweren depressiven Störungen, bipolaren Störungen und Schizophrenie” betrachtet werden sollte – ein konzeptioneller Rahmen, der die möglichen negativen Auswirkungen der Medikamente unhinterfragt lässt.

Die Autor:innen dieser „ersten“ randomisierten Studie für bipolare Störung und Schizophrenie wiesen in ihrer Einleitung darauf hin, dass Neuroleptika Stoffwechselstörungen hervorrufen können, was bedeutet, dass diese Medikamente genau das körperliche Problem verursachen oder verschlimmern, das eine Keto-Diät korrigieren soll. Das Studiendesign für diese randomisierte Studie beinhaltete jedoch keine Bemühungen, den Einsatz von Neuroleptika oder anderen psychiatrischen Medikamenten zu reduzieren. Tatsächlich liegen weder für den Beginn noch für das Ende der vier Monate Informationen über den Konsum von Neuroleptika und anderen psychiatrischen Medikamenten durch die Patient:innen vor.

Leider werden randomisierte Studien, die darauf ausgelegt sind, die Wirksamkeit der ketogenen Ernährung als Begleittherapie zu bewerten, keinen Aufschluss darüber geben, ob sie als Instrument genutzt werden kann, um die Einnahme von Neuroleptika und anderen Psychopharmaka zu verringern oder diese Medikamente ganz abzusetzen. Der Rahmen einer Begleittherapie schließt diese Untersuchung von vornherein aus, da die Pharmakotherapie hierbei als erwiesenermaßen hilfreich für die Patient:innen begriffen wird – im Gegensatz zu einer Behandlung, die sich in Wirklichkeit als schädlich erweisen könnte.

Keine angemessene Kontrollgruppe

Leider enthielt diese „erste“ randomisierte Studie keine Kontrollgruppe, die einen „randomisierten“ Test der Vorzüge der Keto-Diät bei psychotischen Störungen ermöglicht hätte. Diejenigen, die der Keto-Diät randomisiert zugeteilt wurden, erhielten während der einmonatigen Studie täglich zwei Keto-Mahlzeiten, die ihnen von einem Essenslieferdienst an die Tür geliefert wurden, während die Kontrollgruppe ihre übliche Diät fortsetzte, ohne dass ihnen zubereitete Mahlzeiten zugeschickt wurden. Sie hatten also eine Keto-Gruppe, die Mahlzeiten „mit frischem Gemüse, Fleisch und Fisch“ aß, während die Kontrollgruppe zusehen musste, wie sie sich von einer „üblichen Diät“ ernährte.

Wenn man einen fairen Vergleich anstellen wollte, müsste man der Kontrollgruppe natürlich zwei zubereitete Mahlzeiten pro Tag zur Verfügung stellen. Dann könnte man sehen, ob eine Keto-Diät im Vergleich zu einer „gesunden“ kohlenhydratreichen Diät etwas Besonderes an sich hat.

Ohne diesen Vergleich könnte es der Essenslieferdienst sein, und nicht die Keto-Diät, der zu der Verbesserung in der Keto-Kohorte führte. Dieses Studiendesign mit Essenslieferdienst gegen keinen Lieferservice wird noch absurder, wenn, wie die Autor:innen anmerkten, einige der Patient:innen „keine stabile Wohnsituation hatten“. Es ist schwer vorstellbar, dass diejenigen in der Gruppe mit „üblicher Diät“, denen es an einer stabilen Wohnsituation mangelte, sich zweimal täglich an schön zubereitete Mahlzeiten setzen konnten.

Die Autor:innen gaben zwar an, dass dieser Unterschied im Verpflegungsangebot eine „Einschränkung“ der Studie sei. Ich würde dies jedoch nicht als Einschränkung, sondern als fatalen Fehler bezeichnen. 

Die Keto-Diät bot keinen signifikanten Vorteil

Bemerkenswerterweise zeigten die einmonatigen Ergebnisse angesichts des voreingenommenen Studiendesigns nicht, dass die Keto-Diät eine wirksame Intervention darstellt. „Die Teilnehmer:innen, die einen Monat lang der ketogenen Diät folgten, zeigten im Vergleich zu denjenigen, die ihre übliche Ernährung beibehielten, eine zahlenmäßige, aber nicht signifikante Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit, der depressiven Symptome und der positiven Symptome von Psychosen“, schrieben die Autoren.

Auch wenn dieser Fehlschlag überraschen mag, zeigt er letztlich nur die typischen zeitlichen Grenzen von randomisierten Studien auf, die meist auf Kurzzeitergebnisse ausgelegt sind. Man muss wohl davon ausgehen, dass eine Ernährungsumstellung deutlich mehr Zeit benötigt, um messbare klinische Erfolge zu erzielen.

Dies verdeutlicht, wie randomisierte Studien zur Keto-Diät Ergebnisse liefern können, die sie als ineffektiv erscheinen lassen, gerade weil sie von zu kurzer Dauer sind.

Die einarmigen Ergebnisse zeigten einen signifikanten Nutzen

Am Ende der einmonatigen randomisierten Studie erhielten diejenigen, die der Keto-Gruppe zugelost worden waren, für weitere drei Monate zweimal täglich keto-zubereitete Mahlzeiten geliefert (was bedeutet, dass sie vier Monate lang eine Keto-Diät einhielten), während diejenigen, die der Gruppe mit „normaler Ernährung“ zugelost worden waren, dann auf eine Keto-Diät umgestellt wurden, wobei sie vier Monate lang zweimal täglich zubereitete Mahlzeiten erhielten.

Somit ermöglichte die Verlängerung eine „einarmige“ Studie aller Patient:innen, bei der ihre jeweiligen Basiswerte – metabolische Gesundheit, psychiatrische Symptome usw. – mit den Werten nach vier Monaten mit nach Hause gelieferten Keto-Mahlzeiten verglichen wurden. Dieser Vergleich führte zu einem statistisch signifikanten Ergebnis eines Nutzens.

„Unter den Teilnehmer:innen, die die viermonatige Verlängerungsstudie zur ketogenen Ernährung abgeschlossen haben, wurden die tendenziellen Verbesserungen bei den Stoffwechselmarkern und depressiven Symptomen signifikant“, schrieben die Autor:innen. „Wir beobachteten nach vier Monaten ketogener Ernährung auch umfassendere Verbesserungen bei den psychiatrischen Symptomen und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Dies deutet darauf hin, dass eine einmonatige Intervention nicht lang genug ist, um die Vorteile zu erkennen, die nach vier Monaten sichtbar werden.“

Das Argument für einarmige-Studien

Während der Titel nahelegt, dass die randomisierte Studie Belege für die „Wirksamkeit“ der Keto-Diät lieferte, deuteten die Ergebnisse nach einem Monat eigentlich auf eine gescheiterte Studie hin. Die Keto-Diät bot keinen statistisch signifikanten Vorteil, und das galt sogar, obwohl es keine adäquate Kontrollgruppe gab, sondern ein Design, das drastisch zugunsten der Keto-Diät verzerrt war: zwei bereitgestellte gesunde Mahlzeiten pro Tag im Vergleich zu gar keinem Mahlzeitenservice.

Das ist ein Ergebnis, das tatsächlich einen Dämpfer auf die Begeisterung für die Keto-Diät setzen könnte.

Nach vier Monaten sahen diejenigen, die bei der Diät blieben, jedoch statistisch signifikante Verbesserungen der metabolischen Gesundheit und der depressiven Symptome sowie eine anhaltende Verbesserung anderer psychiatrischer Symptome und der kognitiven Funktion. Das ist ein Ergebnis aus dem einarmigen Teil dieser Studie, das zu weiterer Erforschung der Diät ermutigen würde.

Tatsächlich besteht in der Welt der klinischen Medizin keine Notwendigkeit für eine randomisierte Studie, um zu beurteilen, ob diese Diät eine wirksame Intervention für psychiatrische Patient:innen sein könnte. Forscher:innen könnten einfach Patient:innen in einarmige Studien aufnehmen und bewerten, ob es ihnen mit dieser Diät über längere Zeiträume hinweg deutlich besser ging. Wenn dem so wäre, gäbe es Grund genug, psychiatrischen Patient:innen den Zugang zu einer solchen Behandlung zu ermöglichen.

Darüber hinaus könnten Forscher:innen mit einarmigen Studien die Ergebnisse einer Behandlung bewerten, die eine Keto-Diät mit Unterstützung beim Absetzen von Medikamenten kombiniert, und sie könnten die anhaltende Einhaltung der Diät untersuchen, sobald die Lieferung der Keto-Mahlzeiten eingestellt wurde. Solche Studien würden eine Bewertung der Möglichkeiten bieten, die mit dieser Diät bestehen, sowie Einblicke darin liefern, ob eine Keto-Diät-Intervention eine transformative Therapie sein kann – was die anekdotischen Berichte bei ihrer ersten Veröffentlichung als eine reale Möglichkeit nahelegten.

Mad in Deutschland veröffentlicht Blogbeiträge einer vielfältigen Gruppe von Autor:innen. Diese Beiträge sollen zur Diskussion über Psychiatrie und ihre Behandlungsmethoden in Deutschland anregen. Die geäußerten Meinungen sind die der Autor:innen.

Robert Whitaker
Robert Whitaker
Robert Whitaker ist Journalist und Autor von zwei Büchern über die Geschichte der Psychiatrie, Mad in America und Anatomy of an Epidemic, sowie Co-Autor, zusammen mit Lisa Cosgrove, von Psychiatry Under the Influence. Er ist Gründer von madinamerica.com.

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