Die Verwendung von Psychopharmaka nimmt ständig zu, fast wie ein Naturgesetz. Dies spiegelt nicht den tatsächlichen Bedarf an diesen Medikamenten wider, sondern die Vermarktung von Medikamenten und die Korruption von Ärzt:innen, Arzneimittelbehörden, Medien, medizinischen Fachzeitschriften, Politiker:innen und der Wissenschaft.1,2
Wir befinden uns in einer Krise der psychischen Gesundheit, weil die bestehenden Ansätze, die sich auf Medikamente konzentrieren, nicht funktionieren und die Ergebnisse verschlechtern.3 Im Vereinigten Königreich hat sich die Zahl der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten fast verdreifacht, und der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Menschen mit schweren psychischen Problemen und der Allgemeinbevölkerung hat sich verdoppelt.4 Die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation haben daher kürzlich eine systematische Reform der psychischen Gesundheitsversorgung gefordert, bei der psychosoziale Interventionen, Menschenrechte, keine Zwangsmaßnahmen und informierte Zustimmung im Vordergrund stehen.4,5
Die Kräfte, die zu einer Überdiagnose und Übermedikation unserer Bevölkerung führen, sind so stark, dass es in der Regel unmöglich ist, wirksame Maßnahmen zur Verringerung der Medikamentengabe zu ergreifen. In Dänemark jedoch sank nach vielen Jahren mit einer stetig steigenden Verkaufskurve die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Antidepressiva behandelt wurden, zwischen 2010 und 2016 um 41 %.6 Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der behandelten Kinder in Norwegen um 40 % und in Schweden um 82 % (siehe Abbildung).

Im Jahr 2011 begann ich eindringlich vor dem erhöhten Risiko eines Suizids aufgrund von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen zu warnen, nachdem der CEO von Lundbeck in einer Radiosendung behauptet hatte, dass die Medikamente vor Suizid schützen.6 Ich wiederholte meine Warnungen unzählige Male im Radio, im Fernsehen, in Artikeln, Büchern und Vorträgen und riet den Menschen, diese Medikamente nicht zu verwenden.6
Dies könnte eine Rolle beim Rückgang der Verwendung in Dänemark gespielt haben, da niemand in Norwegen oder Schweden etwas Ähnliches unternommen hat. Im Jahr 2011 erinnerte die dänische Gesundheitsbehörde die Hausärzt:innen daran, dass sie keine Rezepte für Antidepressiva für Kinder ausstellen sollten, da dies Aufgabe der Psychiater:innen sei. Da sie dies jedoch bereits zuvor getan hatten, ohne dass es viel bewirkt hatte, war dies wahrscheinlich nicht der Grund für den deutlichen Rückgang der Verwendung.
Allerdings verloren die Medien das Interesse an diesem Thema, was es für mich schwieriger machte, meine Warnungen zu wiederholen. Ich hoffte, dass die Ärzt:innen eine Lektion gelernt hatten, die sie nicht vergessen würden, aber der Konsum stieg wieder an (siehe Abbildung).

Da die dänische Arzneimittelstatistik ihre Altersintervalle für die Berichterstattung geändert hat, konnte ich die aktualisierten Daten für die Altersgruppe der 0- bis 19-Jährigen nicht zeigen. Ich habe die Verbrauchsdaten für Personen bis zum Alter von 24 Jahren dargestellt7, einer sehr relevanten Altersgruppe, da die FDA 2004 eine Black-Box-Warnung herausgegeben hat, die 2006 aktualisiert wurde und auf das erhöhte Risiko eines Suizids bei Antidepressiva in dieser Altersgruppe hinweist.
Es ist beunruhigend, dass, sobald keine Warnungen mehr in den Medien zu finden sind, die dunklen Mächte wieder die Oberhand gewinnen. Die Verwendung von Antidepressiva bei jungen Menschen ist in Dänemark heute größer denn je.
Führende Professor:innen der Psychiatrie auf der ganzen Welt lügen weiterhin darüber, was diese Medikamente bei Menschen bewirken, und behaupten, dass sie vor Suizid schützen.1,6 Und da Leitlinien und sogenannte Suizidexpert:innen weiterhin Antidepressiva für Menschen mit Suizidrisiko empfehlen,1 ist es nicht verwunderlich, dass Suizidpräventionsprogramme auf der ganzen Welt zu einem Anstieg der Suizide geführt haben.8,9
Antidepressiva verdoppeln das Risiko des Suizids sowohl bei Kindern10,11 als auch bei Erwachsenen.12,13 Gibt es etwas Schlimmeres, als Kinder mit Medikamenten, die bei ihnen nicht wirken10,11, in den Suizid zu treiben und ihnen gleichzeitig zu sagen, dass diese Medikamente vor Suizid schützen? Das ist ein so schwerwiegender Verrat, dass mir nichts anderes einfällt, als das, was ich 2014 in einem großen dänischen Zeitungsartikel gesagt habe, der ins Englische übersetzt wurde.14 Er endete so:
Unseren Bürgern würde es viel besser gehen, wenn wir alle Psychopharmaka vom Markt nehmen würden, da Ärzte nicht in der Lage sind, mit ihnen umzugehen. Es ist unausweichlich, dass ihre Verfügbarkeit mehr Schaden als Nutzen bringt. Psychiater sollten daher alles in ihrer Macht stehende tun, um so wenig wie möglich, so kurz wie möglich oder gar nicht mit Psychopharmaka zu behandeln.
***
Referenzen
1 Gøtzsche PC. Is psychiatry a crime against humanity? Copenhagen: Institute for Scientific Freedom; 2024 (freely available).
2 Gøtzsche PC. Whistleblower in healthcare. Copenhagen: Institute for Scientific Freedom 2025; April 8 (freely available).
3 Whitaker R. Anatomy of an Epidemic, 2nd edition. New York: Broadway Paperbacks; 2015.
4 Shifting the balance towards social interventions: a call for an overhaul of the mental health system. Beyond Pills All-Party Parliamentary Group 2024; May.
5 New WHO guidance calls for urgent transformation of mental health policies. WHO 2025; March 25.
6 Gøtzsche PC. Usage of depression pills almost halved among children in Denmark. Mad in America 2018; May 4.
8 Whitaker R. Suicide in the age of Prozac. Mad in America 2018; Aug 6. Deutsche Übersetzung
9 Whitaker R, Blumke D. Screening + drug treatment = increase in veteran suicides. Mad in America 2019; Nov 10.
10 Gøtzsche PC. Deadly psychiatry and organised denial. Copenhagen: People’s Press; 2015.
11 Gøtzsche PC, Healy D. Restoring the two pivotal fluoxetine trials in children and adolescents with depression. Int J Risk Saf Med 2022;33:385-408. Full article available here.
12 Hengartner MP, Plöderl M. Newer-generation antidepressants and suicide risk in randomized controlled trials: a re-analysis of the FDA database. Psychother Psychosom 2019;88:247-8.
13 Hengartner MP, Plöderl M. Reply to the Letter to the Editor: “Newer-Generation Antidepressants and Suicide Risk: Thoughts on Hengartner and Plöderl’s ReAnalysis.” Psychother Psychosom 2019;88:373-4.
14 Gøtzsche PC. Psychiatry gone astray. Mad in America 2014; Jan 28.