Am 21. Juli 2025 berief die FDA ein Gremium zum Thema Antidepressiva in der Schwangerschaft ein, dessen Schwerpunkt auf mögliche Schäden für den Fötus durch die Einnahme dieser Medikamente lag. Mehrere Mitglieder des Gremiums waren den Leser:innenn von Mad in America gut bekannt, darunter Adam Urato, David Healy, Joanna Moncrieff und Josef Witt-Doering. Urato, ein Gynäkologe, hat einen Kurs zu diesem Thema im Rahmen der Mad in America Continuing Education gehalten.
Drei weitere Mitglieder des Gremiums, Anick Bérard, Jay Gingrich und Michael Levin, hatten Forschungen zu diesem Thema durchgeführt, und gemeinsam berichtete das Gremium darüber, wie die Exposition des Fötus gegenüber SSRIs und SNRIs die Entwicklung des fötalen Gehirns veränderte, was Urato und andere als das alarmierendste Problem bezeichneten. Das Gremium sprach auch über Tier- und Humanstudien, die auf mögliche negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft und ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Störungen im Zusammenhang mit dieser intrauterinen (Anm. d. Red.: innerhalb der Gebärmutter, intra uterin, Uterus = Gebärmutter) Exposition hinwiesen. Es gebe nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden für Depressionen, die während der Schwangerschaft angewendet werden könnten, stellte das Gremium fest, und Eltern würden nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt, die mit der Exposition des Fötus gegenüber SSRIs und SNRIs verbunden sind.
„Im Laufe der Jahre habe ich einen zunehmenden Einsatz von Medikamenten während der Schwangerschaft beobachtet, und ich glaube, dass Schwangere und die Öffentlichkeit nicht ausreichend über dieses Thema informiert werden, insbesondere was SSRI-Antidepressiva angeht“, sagte Urato. „Patientinnen berichten mir regelmäßig, dass die einzige Beratung, die sie erhalten haben, im Grunde darin bestand, dass SSRIs das Baby nicht beeinflussen oder Komplikationen verursachen. Das ist schlichtweg weder korrekt noch ausreichend.“
Ihre kurzen Präsentationen und ihre Forderung nach einer informierten Einwilligung kamen jedoch bei den medizinischen Berufsverbänden nicht gut an. Die American Psychiatric Association, das National Curriculum in Reproductive Psychiatry, das American College of Obstetricians and Gynecologists und die Society for Maternal-Fetal Medicine veröffentlichten alle Erklärungen, in denen sie das Gremium als voreingenommen und falsch informiert brandmarkten und erklärten, dass die Beweise zeigten, dass SSRIs und SNRIs eine wirksame und sichere Behandlung für pränatale Depressionen seien und dass das eigentliche Problem „unbehandelte Depressionen“ seien. Die großen Medien griffen diesen „Expertenkonsens” in ihrer Berichterstattung über das Gremium auf.
Diese Dichotomie zwischen dem FDA-Gremium und den medizinischen „Experten” ist eindeutig eine wichtige Frage, die die Gesellschaft klären muss. Laut Gingrich werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr schätzungsweise 400.000 Kinder geboren, die im Mutterleib Antidepressiva ausgesetzt waren. Wenn es stichhaltige Beweise dafür gibt, dass diese Exposition die Entwicklung des Gehirns des Fötus so verändert, dass seine zelluläre Organisation und seine globale Funktion beeinträchtigt sind, dann ist dies sicherlich eine Praxis, die einer öffentlichen Überprüfung bedarf, sowie eine ehrliche Darstellung der Beweise, die in der wissenschaftlichen Literatur zu finden sind.
Diese Überprüfung bietet auch die Gelegenheit zu beurteilen, ob die American Psychiatric Association – und in diesem Fall auch die anderen medizinischen Organisationen, die das Gremium scharf kritisiert haben – ein zuverlässiger Vermittler ihrer eigenen wissenschaftlichen Literatur ist oder ob ihre öffentlichen Erklärungen ausnahmslos den Interessen ihrer Zunft dienen und nicht dem Recht der Öffentlichkeit auf informierte Zustimmung.
Eine Überprüfung der Beweise
Die Rolle von Serotonin in der Entwicklung des Fötus
Wie jeder, der schon einmal ein Neugeborenes im Arm gehalten hat, bestätigen kann, gibt es einen Grund, warum die Geburt als „Wunder des Lebens” bezeichnet wird, denn die neunmonatige Reise vom frisch befruchteten Ei zum Neugeborenen ist schier unvorstellbar. Man weiß, dass es sich um einen biologischen Prozess handelt, der durch die Evolution des Lebens über einen Zeitraum von drei bis vier Milliarden Jahren geprägt wurde und mit der Organisation des menschlichen Gehirns seinen Höhepunkt erreichte. Die erste befruchtete Zelle teilt sich immer wieder, wobei sich die Zellen in verschiedene Typen differenzieren und an ihren richtigen Platz im Gehirn und Körper wandern, und es ist unvorstellbar, wie der genetische Code in dieser ersten befruchteten Zelle diese exquisite Schöpfung eines Menschen orchestriert.
Serotonin (5-HT) ist ein uraltes Molekül, das schon früh in der Evolution des Lebens auf der Erde aufgetaucht ist und als Arbeitspferd des Tierreichs bezeichnet werden könnte. Beim Menschen tritt das Molekül innerhalb von fünf Wochen nach der Empfängnis auf, und Forscher:innen haben entdeckt, dass es eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der zellulären Organisation des fetalen Gehirns spielt.
Michael Levin, Professor für Biologie an der Tufts University, der sich seit Jahrzehnten mit der Rolle von Serotonin in der fetalen Entwicklung beschäftigt, berichtete bei der Anhörung der FDA über diesen Prozess. „Die Evolution hat Serotonin als eine sehr wichtige und leistungsfähige Signalübertragungsmodalität genutzt“, sagte er. „Es beeinflusst natürlich die Entwicklung des Nervensystems, aber auch die Migration der Neuralleiste, die Zellteilung oder die Geschwindigkeit der Zellspaltung und Mitose… es hat viele Auswirkungen auf die Embryogenese.“

Folie, die Michael Levin bei der Anhörung der FDA präsentiert hat
Levins Arbeit ist Teil einer größeren Forschungsarbeit über die Rolle von Serotonin bei der Entwicklung des fetalen Gehirns. Eine 2012 veröffentlichte Übersicht dieser Literatur fasste die Rolle von Serotonin wie folgt zusammen:
„5-HT ist ein phylogenetisch alter Neurotransmitter, der im gesamten Gehirn weit verbreitet ist. 5-HT spielt zwei wichtige Rollen: In frühen Entwicklungsphasen wirkt 5-HT als Wachstumsfaktor und reguliert die Entwicklung seines eigenen und verwandter neuronaler Systeme. In seiner Rolle als trophischer Faktor reguliert 5-HT verschiedene für die Entwicklung wichtige Prozesse wie Zellteilung, Differenzierung, Migration, Myelinisierung, Synaptogenese und dendritische Beschneidung.“
SSRIs verändern natürlich die serotonerge Funktion, und Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Medikamente, wenn sie von Müttern eingenommen werden, die Plazentamembran passieren und in den Blutkreislauf des Fötus gelangen (über die Nabelschnur). Die serotonergen Medikamente finden sich auch im Fruchtwasser, das der Fötus schluckt.
„Meine Botschaft ist ganz einfach“, schloss Levin. „Serotonin ist ein wichtiges Signal in der frühen Embryonalentwicklung, und die Manipulation seiner Verwendung durch Zellen mit SSRIs führt sehr, sehr wahrscheinlich zu bestimmten Arten von Defekten.“
Tierversuche
Mit dem Wissen um die Rolle von Serotonin in der fetalen Entwicklung begannen Forscher:innen vor mehr als 20 Jahren mit Studien an Ratten und Mäusen, um die Auswirkungen von SSRIs während der Schwangerschaft zu untersuchen. Diese Studien können die kausalen Auswirkungen der SSRI-Exposition des Fötus isolieren, da diese kleinen Säugetiere nicht an Depressionen leiden und somit kein Störfaktor wie „psychische Erkrankungen“ vorliegt, der die fetale Entwicklung verändert.
Diese Tierversuche haben gezeigt, dass die Exposition des Fötus gegenüber SSRIs zu einer veränderten Gehirnentwicklung, zahlreichen Risiken für die Gesundheit des Fötus und Verhaltensstörungen nach der Geburt führt. Die Studien an Nagetieren haben ergeben, dass die perinatale Exposition gegenüber SSRIs die thalamokortikale Organisation stört, die neuronale Aktivität im dorsalen Raphe reduziert, die Arborisierung der 5-HT-Neuronen verringert und die Funktion des limbischen und kortikalen Kreislaufs verändert. Bei der Geburt ist die SSRI-Exposition des Fötus bei Nagetieren mit einem niedrigen Geburtsgewicht, anhaltender pulmonaler Hypertonie, einem erhöhten Risiko für Kardiomyopathie und einer erhöhten postnatalen Mortalität verbunden. Nach der Geburt ist eine solche Exposition mit einer verzögerten motorischen Entwicklung, einer verminderten Schmerzempfindlichkeit, gestörtem jugendlichem Spielverhalten, Angst vor neuen Dingen und einer „höheren Anfälligkeit“ für affektive Störungen (wie anhedonisches Verhalten) verbunden.
Gingrich und seine Kollegen an der Columbia University veröffentlichten 2004 Belege für diese „höhere Anfälligkeit” für affektive Störungen, als sie berichteten, dass Mäuse, die vor der Geburt Fluoxetine ausgesetzt waren, als Erwachsene „abnormales emotionales Verhalten” zeigten. Wie ein Artikel in Science über ihre Arbeit erklärte, zeigten die erwachsenen Mäuse „ein vermindertes Erkundungsverhalten in einem Labyrinthtest. Sie brauchten auch länger, um mit dem Fressen zu beginnen, wenn sie in eine neue Umgebung gebracht wurden, und versuchten langsamer, aus einem Teil des Käfigs zu entkommen, in dem sie leichte Fußschocks erhielten. All diese Verhaltensweisen gelten als Anzeichen für Angstzustände und Depressionen bei Tieren.”
Wie in einer späteren Übersicht erläutert wurde, könnte dieses maladaptive Verhalten in direktem Zusammenhang mit der Rolle von Serotonin bei der Entwicklung des fetalen Gehirns stehen. Serotonin ist „zentral für die Entwicklung von zwei wichtigen Stressreaktionssystemen – dem Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-System (HPA) und dem Locu-Coeruleus-Noradrenalin-System [und] Veränderungen in der HPA-Funktion sind oft charakteristisch für Angst- und depressive Störungen“, heißt es in der Übersicht. „Angesichts der weitreichenden Funktion (von Serotonin) bei der Gestaltung des menschlichen Neuroverhaltens ist es nicht undenkbar, dass eine Veränderung des 5-HT-Spiegels während entwicklungsempfindlicher Phasen entscheidende Auswirkungen auf das spätere Verhalten und die psychische Gesundheit während des gesamten Lebens haben könnte.“
In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2007 mit dem Titel „Developmental Side Effects of SSRIs: Lessons Learned from Animal Studies“ (Entwicklungsnebenwirkungen von SSRIs: Erkenntnisse aus Tierversuchen) fassten Forscher:innen der University of Virginia die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Tierversuchen prägnant zusammen:
„In dieser Übersicht haben wir die wichtigsten Schritte der Serotonin-Signalübertragung vorgestellt: Serotonin-Synthese und -Verpackung, Wiederaufnahme und Abbau. Wir haben die Auswirkungen hervorgehoben, die jeder dieser Prozesse auf die Regulierung des Serotoninspiegels und das sich entwickelnde Gehirn hat. Tierversuche haben gezeigt, wie wichtig die Serotonin-Signalübertragung für die Modulation neuronaler Schaltkreise, des 5HT-Rezeptorspiegels und des Verhaltens ist. Unabhängig von der verwendeten Methode kann ein erhöhter extrazellulärer Serotoninspiegel während der Perinatalperiode zu subtilen Veränderungen der Gehirnschaltkreise und zu maladaptiven Verhaltensweisen wie erhöhter Angst, Aggression oder Depression führen, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Die Serotonin-Signalübertragung ist hochkonserviert, daher sind viele dieser Ergebnisse aus Tiermodellen auch für den Menschen relevant.“
Studien am Menschen
Es gibt vier Aspekte der Forschung zu den Auswirkungen der Exposition von Föten gegenüber SSRIs und SNRIs beim Menschen. Erstens: Verändert diese Exposition die Gehirnentwicklung? Zweitens: Erhöht sie das Risiko für unerwünschte Schwangerschaftsausgänge? Drittens: Setzen sie das Neugeborene Entzugssymptomen aus und beeinträchtigen somit die postnatale Gesundheit? Viertens: Erhöhen sie das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen und psychiatrische Störungen?
Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung
Es gibt eine ganze Reihe veröffentlichter Studien, die darüber berichten, wie die Exposition gegenüber SSRIs im Mutterleib die Gehirnentwicklung beim Menschen verändert. Hier eine Auswahl solcher Ergebnisse:
- Im Jahr 2016 führten finnische Forscher:innen neurophysiologische Tests an 84 Neugeborenen (22 mit intrauteriner SSRI-Exposition und 62 Kontrollpersonen) durch und stellten bei der SSRI-exponierten Gruppe ein geringeres Maß an „globaler Integration”, „interhemisphärischer Konnektivität” und „lokaler Frequenzintegration” fest. Diese Veränderungen, so die Forscher:innen, stehen im Zusammenhang mit einer weniger organisierten Kommunikation zwischen den Gehirnhälften und sind vergleichbar mit den in Tierstudien festgestellten Effekten, wobei diese Veränderungen über den bekannten Zeitraum des unmittelbaren Entzugs hinaus anhalten, der bei Neugeborenen üblich ist.
Sie kamen zu dem Schluss: „Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass die pränatale SRI-Exposition beim Menschen die kortikale Funktion des Neugeborenen über den akuten Entzugszeitraum hinaus beeinflussen kann… Unsere detaillierte, quantitative, computergestützte EEG-Analyse zeigte SRI-bedingte Auswirkungen sowohl auf die fokale als auch auf die globale Gehirnaktivität.“
- In einer Studie aus dem Jahr 2018 untersuchten Gingrich und Kollegen mithilfe von MRTs das Gehirnvolumen von 98 Säuglingen. Sechzehn der 98 Säuglinge waren intrauterin SSRI ausgesetzt, 21 waren „unbehandelter mütterlicher Depression ausgesetzt“ und 61 dienten als Kontrollgruppe. Dieses Design ermöglichte es den Forscher:innen zu beurteilen, ob bei den Müttern mit Depressionen keine Hirnanomalien in der SSRI-exponierten Gruppe auftraten. Die Forscher:innen fanden heraus, dass bei den SSRI-exponierten Säuglingen „eine signifikante Volumenerweiterung der grauen Substanz in der Amygdala und Insula sowie eine Zunahme der strukturellen Konnektivität der weißen Substanz zwischen denselben Regionen“ im Vergleich zu Säuglingen „mit unbehandelter pränataler mütterlicher Depression und gesunden Kontrollpersonen“ festgestellt wurde.
Da diese Anomalien nur bei SSRI-exponierten Säuglingen auftraten, kamen die Forscher:innen zu dem Schluss, dass „im Einklang mit früheren Tierstudien diese multimodalen Ergebnisse der Bildgebung des Gehirns darauf hindeuten, dass die pränatale Exposition gegenüber selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern einen signifikanten Zusammenhang mit der Entwicklung des fetalen Gehirns hat“.
- Im Jahr 2023 untersuchten Forscher:innen in den Niederlanden mithilfe von MRT-Untersuchungen das Hirnvolumen von 3.198 Kindern, wobei drei Untersuchungen im Alter zwischen 7 und 15 Jahren durchgeführt wurden. Mit gesunden Kontrollpersonen als Referenz maßen sie das Hirnvolumen bei Jugendlichen, die im Mutterleib SSRI ausgesetzt waren, und bei Jugendlichen, die im Mutterleib einer „unbehandelten“ Depression ausgesetzt waren. Dieser Vergleich ermöglichte es den Forscher:innen, festzustellen, ob Unterschiede im Gehirnvolumen im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen auf das Medikament oder auf die „Krankheit“ zurückzuführen waren.
Sie fanden einen „anhaltenden Zusammenhang zwischen der pränatalen SSRI-Exposition und einem geringeren kortikalen Volumen über den 10-jährigen Nachbeobachtungszeitraum, einschließlich des superioren frontalen Kortex, des medialen orbitofrontalen Kortex, des parahippocampalen Gyrus, rostralen anterioren cingulären Kortex und den posterioren cingulären Kortex (…) Die pränatale SSRI-Exposition war durchweg mit einem geringeren Volumen verbunden, das im frontalen, cingulären und temporalen Kortex über alle Altersgruppen hinweg zwischen 5 % und 10 % lag.“
Obwohl Kinder in der Gruppe mit „unbehandelter Depression“ ein etwas geringeres Volumen der weißen Hirnsubstanz aufwiesen als die gesunden Kontrollpersonen, war die Verringerung weniger als ein Viertel so groß wie bei den SSRI-exponierten Kindern, und sie zeigten auch keine Volumenverringerung in anderen Bereichen des Gehirns.
Zusammen zeigen diese drei Studien, wie die Exposition des Fötus gegenüber SSRIs mit Volumenveränderungen in verschiedenen Bereichen des Gehirns und einer verminderten Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns (und damit der kortikalen Funktion) verbunden ist.
Ultraschallstudien haben ebenfalls gezeigt, dass die Exposition gegenüber SSRIs das Verhalten des Fötus verändert. In einer solchen Studie zeigen Föten, die einer Standarddosis von SSRIs ausgesetzt waren, während des gesamten zweiten Trimesters eine „signifikant erhöhte motorische Aktivität“. Im dritten Trimester zeigten sie „eine gestörte Entstehung des Nicht-REM-Schlafs (Non-Rapid Eye Movement; ruhiger Schlaf), der durch kontinuierliche Körperaktivität und damit eine schlechte inhibitorische Motorik in diesem Schlafzustand gekennzeichnet ist”.
Die Forscher:innen verglichen dieses Verhalten der SSRI-exponierten Föten sowohl mit normalen Kontrollgruppen als auch mit unbehandelten Depressionen, und dieses abnormale Verhalten der Föten wurde nur in der SSRI-exponierten Gruppe beobachtet. „Eine hohe körperliche Aktivität während des Non-REM-Schlafs bei SSRI-exponierten Föten ist ein abnormales Phänomen, dessen Bedeutung für die postnatale Entwicklung jedoch unklar ist”, schlussfolgerten die Forscher:innen.
Unerwünschte Schwangerschaftsausgänge
Da Tierstudien ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Schwangerschaftsausgänge wie Fehlgeburten, Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, angeborene Fehlbildungen und persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen zeigten, konzentrierte sich die erste Welle von Studien zu „Antidepressiva in der Schwangerschaft“ auf diese Bedenken. Diese Forschung lieferte eine Fülle von Erkenntnissen, dass das Risiko solcher unerwünschten Ereignisse bei einer Exposition des Fötus gegenüber SSRIs im Vergleich zu gesunden Kontrollgruppen erhöht ist.
Bérard überprüfte einige dieser Ergebnisse bei der Anhörung der FDA und berichtete, dass die Einnahme von SSRI während der Schwangerschaft mit einem um 56 % erhöhten Risiko für Fehlgeburten, einer Verdopplung der Herzfehlbildungen und einem um 20 % bis 50 % erhöhten Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht verbunden war.
Es bleibt jedoch die Frage, ob diese Risiken für die Schwangerschaft im Vergleich zu einer unbehandelten Depression während der Schwangerschaft erhöht sind. Zwar gibt es eine Reihe von Studien, die auf die eine oder andere Weise versucht haben, diesen möglichen Störfaktor zu berücksichtigen, doch kann man sagen, dass die Entflechtung dieser beiden Faktoren – die Einnahme von Antidepressiva und eine unbehandelte Depression – unvollständig ist und weiterer Forschung bedarf.
Dennoch kam eine 2022 veröffentlichte Übersicht der Literatur zu diesem Thema zu dem Schluss, dass die Einnahme von SSRI während der Schwangerschaft im Vergleich zu unbehandelter mütterlicher Depression während der Schwangerschaft mit einem „geringen Anstieg des Risikos für Präeklampsie, postpartale Blutungen, Frühgeburten, persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen und Einweisungen in die neonatologische Intensivstation“ verbunden ist.
Mit anderen Worten: Die Behandlung einer mütterlichen Depression während der Schwangerschaft mit SSRIs verringert das Risiko dieser unerwünschten Ereignisse nicht, sondern erhöht es sogar, wenn auch nur in geringem Maße. Somit ist die Behandlung einer mütterlichen Depression mit Antidepressiva zumindest nach diesen Maßstäben nicht nur in Bezug auf diese unerwünschten Wirkungen unwirksam, sondern fügt noch eine Portion Schaden hinzu.
Eine Studie von Kaiser Permanente of Northern California mit 82.170 schwangeren Frauen quantifizierte diesen zusätzlichen Schaden. Mütter mit unbehandelter Depression hatten ein um 41 % erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Wurde die Depression jedoch mit einer Beratung behandelt, verringerte sich dieses Risiko um 18 %, während die Behandlung mit einem Antidepressivum es um 31 % erhöhte. Die Forscher:innen kamen zu dem Schluss, dass „die Einnahme von Antidepressiva unabhängig von der zugrunde liegenden Depression ein zusätzliches Risiko für eine Frühgeburt darstellen kann”.
Neonatales Entzugssyndrom
Sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, wird ein Neugeborenes, das im Mutterleib SSRI oder SNRI ausgesetzt war, im Wesentlichen „cold turkey“ (Anm. d. Red.: Kalter Entzug) von dem Medikament entwöhnt. Das Neugeborene ist den Entzugssymptomen des Medikaments ausgesetzt, die in der Literatur als „neonatales Entzugssyndrom“ (NAS) bezeichnet werden. Dies ist natürlich keine Nebenwirkung, die auf eine „unbehandelte Depression“ zurückgeführt werden kann, sondern ein Schaden, der direkt mit der Einnahme von Antidepressiva durch die Mutter während der Schwangerschaft zusammenhängt.
NAS-Symptome können innerhalb weniger Stunden nach der Geburt auftreten und bis zu einem Monat lang anhalten. Forscher:innen haben eine umfangreiche Liste von NAS-Symptomen veröffentlicht, darunter Nervosität, schlechter Muskeltonus, schwaches Weinen, abnormales Weinen, Atemnot, Hypoglykämie, Tachykardie, niedriger Apgar-Wert, Krampfanfälle, abnormales Verhalten, Schlafstörungen, schlechte Ernährung, Erbrechen, unkoordiniertes Saugen, Lethargie und erhöhte Reflexe. In einer Studie, die die Datenbank der Weltgesundheitsorganisation nach unerwünschten Arzneimittelwirkungen durchsuchte, stuften die Forscher:innen 80 % der gemeldeten NAS-Symptome als „schwerwiegend” ein.
NAS soll bei 30 % der Neugeborenen auftreten, die im Mutterleib SSRI ausgesetzt waren. Eine kleine Studie mit 76 Müttern, die Antidepressiva einnahmen, ergab jedoch, dass 63 % der Neugeborenen Anzeichen von Problemen des zentralen Nervensystems und 40 % Anzeichen von Atemproblemen aufwiesen, was darauf hindeutet, dass viele SSRI-Neugeborene mildere Schwierigkeiten haben, die nicht auf NAS zurückzuführen sind.
Die langfristigen Folgen für Säuglinge, bei denen NAS diagnostiziert wurde, im Vergleich zu Säuglingen, die vor der Geburt SSRI ausgesetzt waren, bei denen jedoch keine solchen Entzugssymptome diagnostiziert wurden, sind noch nicht geklärt. Eine Studie mit 82 Kindern, in der dieser Vergleich durchgeführt wurde, ergab jedoch, dass beide Gruppen im Alter von zwei und sechs Jahren ähnliche kognitive Fähigkeiten und Entwicklungswerte aufwiesen, die NAS-Gruppe jedoch ein dreimal höheres Risiko für soziale Verhaltensauffälligkeiten in diesen beiden Altersstufen hatte, was darauf hindeutet, dass schwere neonatale Entzugssymptome ein Indikator für spätere schwerwiegendere Beeinträchtigungen sein können.
Neuroentwicklungsstörungen
Die Studien an Nagetieren zeigten, dass die Exposition von Föten gegenüber SSRI regelmäßig zu maladaptiven erwachsenen Nagetieren führte und dass Kinder, die im Mutterleib SSRI ausgesetzt waren, im Vergleich zu gesunden Kontrollgruppen ein erhöhtes Risiko für Neuroentwicklungsstörungen haben. Sie zeigen Verzögerungen in der Entwicklung von Meilensteinen und haben ein erhöhtes Risiko, mit ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen und affektiven Störungen diagnostiziert zu werden. Es ist jedoch bekannt, dass mütterliche Depressionen solche Entwicklungsrisiken für Kinder mit sich bringen. Daher haben Forscher:innen im Rahmen dieser Forschungslinie versucht, diesen Störfaktor der „unbehandelten mütterlichen Depression” zu berücksichtigen.
Diese Studien haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Es gibt eine ganze Reihe von Studien, oft mit großen Datensätzen, die versucht haben, diesen Störfaktor der unbehandelten mütterlichen Depression zu berücksichtigen, und die festgestellt haben, dass ein erhöhtes Risiko für eine neurologische Entwicklungsstörung bei pränataler Exposition gegenüber SSRIs bestehen bleibt. Eine Handvoll anderer Studien haben jedoch berichtet, dass nach Bereinigung um Störfaktoren das erhöhte Risiko verschwindet oder zumindest größtenteils verschwindet, weshalb die Literatur in Bezug auf diese Risiken regelmäßig als „uneinheitlich” bezeichnet wird.
Hier ist eine Auswahl der prominenteren Studien, die versucht haben, dieses Risiko zu isolieren:
- In einer Studie aus dem Jahr 2011 berichteten Forscher:innenForscher von Kaiser Permanente in Nordkalifornien über ein doppelt so hohes Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern, deren Mütter in den 12 Monaten vor der Entbindung SSRI eingenommen hatten. Bei Müttern, die in der Vergangenheit wegen psychischer Probleme behandelt worden waren, aber während der Schwangerschaft keine SSRI eingenommen hatten, wurde kein erhöhtes Risiko festgestellt.
- In einer Studie aus dem Jahr 2013 mit Kindern, die nach 1995 geboren wurden und von 2001 bis 2007 im schwedischen Landkreis Stockholm lebten, verglichen die Forscher:innen Jugendliche, die SSRI ausgesetzt waren, und Jugendliche, die einer unbehandelten mütterlichen Depression ausgesetzt waren, mit einer gesunden Kontrollgruppe. Die SSRI-exponierten Jugendlichen hatten eine 5,58-mal höhere Wahrscheinlichkeit als die Kontrollgruppe, mit einer „Autismus-Spektrum-Störung ohne geistige Behinderung” diagnostiziert zu werden, während das erhöhte Risiko für die unbehandelte Depressionskohorte nur 1,3-mal so hoch war. Mit anderen Worten: Das Risiko war für die SSRI-exponierte Kohorte mehr als viermal so hoch wie für die unbehandelten depressiven Nachkommen.
- In einer Studie aus dem Jahr 2015, in der alle zwischen 1998 und 2009 in Quebec geborenen Kinder untersucht wurden, stellten Bérard und Kollegen fest, dass das Risiko, eine Autismus-Spektrum-Störung zu entwickeln, bei denjenigen, die im Mutterleib SSRI ausgesetzt waren, 1,75-mal höher war, wobei dieses Risiko „auch nach Berücksichtigung der mütterlichen Vorgeschichte von Depressionen bei exponierten Säuglingen” bestehen blieb.
- In einer Studie aus dem Jahr 2015 mit mehr als 10.000 Kindern, die in Krankenhäusern in New England geboren wurden, war das Risiko einer ADHS-Diagnose bis zum Alter von 10 Jahren bei Kindern, die vor der Geburt Antidepressiva ausgesetzt waren, fast doppelt so hoch, „selbst nach Bereinigung um mütterliche Depressionen”. Das Risiko einer Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung war zwar bei der Gruppe mit pränataler Exposition höher als bei gesunden Kontrollpersonen, verschwand jedoch nach Bereinigung um schwere Depressionen der Mutter und soziodemografische Faktoren.
- In einer Studie aus dem Jahr 2016, die alle zwischen 1996 und 2000 in Finnland geborenen Kinder umfasste, führte die pränatale Exposition gegenüber SSRIs (N = 15.596) zu einem um 37 % erhöhten Risiko für Sprach-/Sprachstörungen im Vergleich zu Kindern, deren Mütter eine psychiatrische Diagnose hatten, aber keine SSRI-Antidepressiva einnahmen (N = 9.537). Die Studie untersuchte Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren.
- In einer zweiten Studie mit allen finnischen Kindern, die zwischen 1996 und 2010 geboren wurden, stellten Gingrich und Kollegen fest, dass im Alter von 15 Jahren 8,2 % derjenigen, die im Mutterleib einem SSRI ausgesetzt waren, eine Depression diagnostiziert wurde, verglichen mit 2 % der Kinder von Müttern mit einer Stimmungsstörung, die während der Schwangerschaft keine Medikamente einnahmen, wobei dieser Anstieg der Depressionen vor allem bei Jugendlichen ab 12 Jahren auftrat. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede bei den Diagnosen von ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen und Angststörungen.
Hier ist eine Grafik aus dieser Studie, die Gingrich bei der Anhörung der FDA vorgestellt hat und die den starken Anstieg der Depressionen in der SSRI-Gruppe (die kastanienbraune Linie) zeigt. Die Raten für Angstzustände, Autismus und ADHS waren in der SSRI-Gruppe im Alter von 14 Jahren ebenfalls höher, jedoch nicht signifikant.

Die magentafarbene Linie steht für die Kohorte der Jugendlichen, die im Mutterleib SSRIs ausgesetzt waren. Die cyanfarbene Linie steht für Jugendliche, die einer unbehandelten mütterlichen Depression ausgesetzt waren. Die gelbe Linie steht für Jugendliche, deren Mütter vor der Schwangerschaft die Einnahme von Antidepressiva eingestellt hatten. Die schwarze Linie steht für gesunde Kontrollpersonen.
- Eine dänische Studie aus dem Jahr 2017 mit fast einer Million Kindern, die zwischen 1998 und 2012 geboren wurden und maximal 16 Jahre lang beobachtet wurden, teilte die Mütter in vier Gruppen ein, je nachdem, ob ihre Föten Antidepressiva ausgesetzt waren, und bewertete dann den Prozentsatz ihrer Kinder, bei denen eine psychiatrische Diagnose gestellt wurde. Die Rate betrug 8 % für die Gruppe, die nie exponiert war; 11,5 % für diejenigen, deren Mütter in den zwei Jahren vor der Schwangerschaft ein Antidepressivum eingenommen hatten, dieses aber vor der Schwangerschaft abgesetzt hatten (Absetzgruppe); 13,6 % für diejenigen, die in den zwei Jahren vor der Schwangerschaft ein Antidepressivum eingenommen hatten und es während der Schwangerschaft weiter einnahmen (Fortsetzungsgruppe); und 14,5 % für diejenigen, die vor der Schwangerschaft keine Antidepressiva eingenommen hatten, aber während der Schwangerschaft „neue Anwender” der Medikamente waren.
Die dänischen Forscher:innen bewerteten auch unterschiedliche Raten spezifischer psychiatrischer Diagnosen, verglichen die Absetz- und die Fortsetzungsgruppe und stellten fest, dass die Rate der affektiven Störungen in der letzteren Gruppe fast dreimal so hoch war, was laut den Autor:innen durch Tierversuche vorhergesagt worden war.
„Die Begründung für diese Ergebnisse könnte die Tatsache sein, dass Serotonin als trophischer Faktor wirkt, insbesondere in den Gehirnsystemen, die die emotionale Funktion modulieren”, schrieben sie. „Serotonin hat Einfluss auf mehrere Entwicklungsprozesse wie neuronale Differenzierung, Migration und Synaptogenese. Folglich könnte eine frühzeitige Manipulation des serotonergen Systems zu emotionalen Störungen bei den Nachkommen beitragen.”
- In einer Studie aus dem Jahr 2019 mit 4.788 US-amerikanischen Kindern war das bereinigte Risiko, mit einer Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert zu werden, bei denjenigen, die im Mutterleib Antidepressiva ausgesetzt waren, doppelt so hoch wie bei Kindern, deren Mütter keine psychiatrische Diagnose hatten und keine Antidepressiva einnahmen (bereinigtes OR 2,05). Dieses bereinigte Risiko war bei Kindern in der Gruppe „nicht medikamentös behandelte mütterliche Depression“ etwas geringer (bereinigtes OR 1,81), was bedeutet, dass die Kinder, die Antidepressiva ausgesetzt waren, ein um 14 % höheres Risiko hatten, mit einer Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert zu werden, als diejenigen, die einer nicht medikamentös behandelten mütterlichen Depression ausgesetzt waren. Die Forscher:innen kamen jedoch zu dem Schluss, dass dieser Unterschied nicht signifikant war und dass fast das gesamte zusätzliche Risiko auf die psychiatrische Erkrankung der Mutter zurückzuführen war, unabhängig davon, ob diese während der Schwangerschaft behandelt wurde.
- In einer systematischen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020, in der 34 Studien ausgewertet wurden, stellten die Forscher:innen fest, dass es „statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen der Exposition gegenüber Antidepressiva im Mutterleib und einer Vielzahl von körperlichen, neurologischen und psychiatrischen Folgen“ gab. Nach Bereinigung um Störfaktoren kamen sie jedoch zu dem Schluss, dass die meisten dieser negativen Folgen „zum großen Teil auf die zugrunde liegende Erkrankung der Mutter zurückzuführen zu sein scheinen”. Sie stellten jedoch ein erhöhtes Risiko für affektive Störungen fest, das auch nach Bereinigung um Störfaktoren bestehen blieb.
- In einer Studie aus dem Jahr 2020 mit Kindern von Frauen, bei denen in den 90 Tagen vor der Empfängnis eine Stimmungs- oder Angstdiagnose gestellt worden war, wiesen diejenigen, die im Mutterleib SSRI oder SNRI ausgesetzt waren, im Alter von fünf Jahren eine um 40 % höhere Wahrscheinlichkeit für Entwicklungsverzögerungen in den Bereichen Sprache und Kognition auf als diejenigen, die keinen Antidepressiva ausgesetzt waren.
- In einer Studie aus dem Jahr 2023 mit 1.489 Kindern aus Quebec wurde ein Zusammenhang zwischen der pränatalen Exposition gegenüber Antidepressiva und einer beeinträchtigten Fein- und Grobmotorik im Alter von zwei Jahren festgestellt, und dieser negative Zusammenhang blieb „auch nach Bereinigung um mütterliche pränatale Belastungen“ bestehen.
- In einer Studie aus dem Jahr 2025 berichteten Gingrich und Kollegen, dass sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen die pränatale Exposition gegenüber SSRIs zu einer hyperaktiven Amygdala führte und dass beide als Jugendliche ängstlicher und depressiver waren. Die Depression der Mutter konnte diesen Effekt nicht erklären.
In vielerlei Hinsicht war die Studie aus dem Jahr 2025 der Höhepunkt von zwei Jahrzehnten Forschung durch Gingrich und Kollegen an der Columbia University. Sie hatten Veränderungen in der Gehirnstruktur und -funktion sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen dokumentiert, die im Mutterleib SSRI ausgesetzt waren, und festgestellt, dass bei beiden nach der Pubertät maladaptive emotionale Verhaltensweisen auftraten. „Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Zunahme von Angst- und Furchtverhalten sowie die Aktivierung von Gehirnschaltkreisen nach einer SSRI-Exposition während der Entwicklung bei Mäusen und Menschen gleich ist“, schrieben sie.
Bei der Anhörung vor der FDA sagte Gingrich: „Diese Kinder sehen in ihrer frühen Kindheit ziemlich normal aus, aber wenn sie dann in die Pubertät kommen, steigt ihre Depressionsrate wirklich an, was wir auch in unseren Mausstudien beobachten.“
Abwägen von Risiken und Nutzen
Um den Nutzen einer medikamentösen Intervention zu beurteilen, müssen die Risiken und der Nutzen gegeneinander abgewogen werden. Für das ungeborene Kind bringt die Exposition gegenüber SSRIs jedoch nur Nachteile mit sich.
Der schwerwiegendste Schaden besteht darin, dass eine solche Exposition die normale Entwicklung des menschlichen Gehirns stört. Ganz abgesehen von den hier untersuchten spezifischen potenziellen Schäden – unerwünschte Schwangerschaftsausgänge, neonatale Entzugssyndrome sowie neurologische Entwicklungs- und psychiatrische Risiken – verändert diese Störung der Gehirnentwicklung das Wesen des Kindes, ein Verlust, der mit den oben genannten Messgrößen unmöglich gemessen werden kann. Wie verändert dies die Fähigkeit des Kindes, auf die Welt und auf sich selbst zu reagieren? Wird die Fähigkeit des Kindes, die Welt zu erleben, beeinträchtigt sein? Wird das Kind die gleiche Fähigkeit zur Freude, die gleiche Neugier, das gleiche Interesse an neuen Erfahrungen haben, wie es sie gehabt hätte, wenn sich sein fötales Gehirn unter der Führung einer jahrtausendelangen Evolution entwickelt hätte und nicht unter dem Einfluss einer Chemikalie, die diesen Prozess gestört hat?
Es gibt keine Möglichkeit, diesen Verlust zu beziffern, aber Urato hat ihn in seiner Stellungnahme bei der Anhörung der FDA auf eindringliche Weise beschrieben. „Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit haben wir sich entwickelnde Babys auf diese Weise chemisch verändert, insbesondere das sich entwickelnde Gehirn des Fötus, und dies geschieht ohne echte öffentliche Warnung. Das muss aufhören.“
Abgesehen von diesem unermesslichen Schaden sprechen alle hier untersuchten Beweise von „Schäden“. Die Exposition des Fötus führt dazu, dass mindestens 30 % der Neugeborenen unter Entzugssymptomen leiden, die mindestens einen Monat lang anhalten können, und dieses Leiden in ihrem ersten Lebensmonat kann nicht auf eine Depression der Mutter zurückgeführt werden. Die Exposition des Fötus gegenüber SSRI erhöht auch das Risiko, zumindest in geringem Maße, für unerwünschte Schwangerschafts-, neurologische Entwicklungs- und psychiatrische Folgen, über das Risiko hinaus, das durch die Depression der Mutter entsteht.
Da in der Risiko-Nutzen-Bilanz nur Schäden für das ungeborene Kind zu verzeichnen sind, liegt der Nutzen dieser Praxis vermutlich in der Linderung der depressiven Symptome der Mutter. Es gibt jedoch keine RCT-Daten aus Studien mit schwangeren Frauen, die diesen „Nutzen” belegen könnten. Tatsächlich hatten, wie Mad in AmericaIA (MiA) in einem früheren Bericht über pränatale Depressionstests ausführlich dargelegt hat, die in Großbritannien, Kanada und den USA eingerichteten Task Forces alle Schwierigkeiten, Belege dafür zu finden, dass „Screening plus Behandlung” einen Nutzen für die Mutter haben. Die britische Arbeitsgruppe kam in einer allgemeinen Überprüfung von Antidepressiva in der Schwangerschaft zu dem Schluss, dass „in allen drei systematischen Übersichtsarbeiten negative Auswirkungen auf die Nachkommen berichtet wurden” und dass „keine Studie über Vorteile für Frauen oder ihre Nachkommen durch pharmakologische Interventionen berichtete”.
Selbst wenn der Schwerpunkt auf der Behandlung der Depression der Mutter liegt, ist es schwierig, Belege zu finden, die auf der Nutzenseite der Bilanz stehen.
Der Aufschrei der Empörung
Wie zu Beginn dieses MiIA-Berichts erwähnt, veröffentlichten die American Psychiatric Association und andere relevante medizinische Organisationen Erklärungen, in denen sie das Gremium verurteilten. Hier sind Auszüge aus vier Erklärungen.
Die American Psychiatric Association, Brief vom 25. Juli an die FDA:
„Wir sind alarmiert und besorgt über die Fehlinterpretationen und unausgewogenen Standpunkte, die mehrere Mitglieder des Expertengremiums für selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und Schwangerschaft am 21. Juli vertreten haben. Die Verbreitung voreingenommener Interpretationen zu einer Zeit, in der Suizid eine der häufigsten Todesursachen bei Müttern innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt ist, könnte die psychische Gesundheitsversorgung von Müttern ernsthaft beeinträchtigen. Die ungenaue Interpretation von Daten und die Verwendung von Meinungen anstelle der jahrelangen Forschung zu Antidepressiva wird die Stigmatisierung verschärfen und schwangere Frauen davon abhalten, die notwendige Versorgung in Anspruch zu nehmen.“
Und: „Die Gesamtheit der Beweise deutet darauf hin, dass Personen vor und während der Schwangerschaft SSRIs einnehmen können und sollten, wenn sie für die Behandlung klinisch indiziert sind. Darüber hinaus haben aktuelle Metaanalysen keinen Zusammenhang zwischen der pränatalen Einnahme von SSRI und dem Gesamtrisiko für Geburtsfehler festgestellt. Die Verbreitung ungenauer und unausgewogener Informationen durch ein staatlich anerkanntes öffentliches Gremium kann Schaden anrichten. Sie kann das Vertrauen der Öffentlichkeit in die psychische Gesundheitsversorgung untergraben, die Stigmatisierung verschärfen und schwangere Frauen davon abhalten, die notwendige psychische Gesundheitsversorgung in Anspruch zu nehmen.“
American College of Obstetricians and Gynecologists, Erklärung vom 21. Juli:
„Die heutige FDA-Kommission zu SSRIs und Schwangerschaft war alarmierend unausgewogen und hat die Gefahren einer unbehandelten perinatale Stimmungsstörungen in der Schwangerschaft nicht angemessen berücksichtigt. Von den zehn Expert:innen der Kommission sprach nur einer über die Bedeutung von SSRIs in der Schwangerschaft als wichtiges Mittel, um unter anderem die potenziell verheerenden Auswirkungen von Angstzuständen und Depressionen zu verhindern, wenn diese während der Schwangerschaft unbehandelt bleiben.“
Und: „Es gibt solide Belege dafür, dass SSRIs in der Schwangerschaft sicher sind und dass die meisten das Risiko von Geburtsfehlern nicht erhöhen. Eine unbehandelte Depression während der Schwangerschaft kann jedoch für unsere Patientinnen ein Risiko für Substanzmissbrauch, Frühgeburt, Präeklampsie, eingeschränkte Inanspruchnahme medizinischer Versorgung und Selbstversorgung, niedriges Geburtsgewicht, gestörte Bindung zu ihrem Kind und sogar Suizid darstellen. Leider werden die vielen abwegigen und unbegründeten Behauptungen der Podiumsteilnehmer:innenr zu SSRIs nur dazu dienen, Ängste zu schüren und Patientinnen zu falschen Schlussfolgerungen zu verleiten, die sie davon abhalten könnten, die benötigte Behandlung in Anspruch zu nehmen.“
Gesellschaft für Mutter-Kind-Medizin, Erklärung vom 23. Juli:
„Als Expert:innen für Risikoschwangerschaften sind die Gesellschaft für Mutter-Kind-Medizin (SMFM) und ihre Mitglieder alarmiert über die unbegründeten und unzutreffenden Behauptungen der FDA-Podiumsteilnehmer:innen in Bezug auf mütterliche Depressionen und die Einnahme von SSRI-Antidepressiva während der Schwangerschaft. Die SMFM unterstützt nachdrücklich die Einnahme von SSRIs zur Behandlung von Depressionen während der Schwangerschaft.“
Und: „Eine unbehandelte oder unzureichend behandelte Depression während der Schwangerschaft birgt Gesundheitsrisiken wie Suizid, Frühgeburt, Präeklampsie und niedriges Geburtsgewicht. … Die verfügbaren Daten zeigen übereinstimmend, dass die Einnahme von SSRI während der Schwangerschaft nicht mit angeborenen Anomalien, Wachstumsstörungen des Fötus oder langfristigen Entwicklungsproblemen in Verbindung steht.
National Curriculum in Reproductive Psychiatry, Erklärung vom 21. Juli:
„Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass das Gremium Referent:innen umfasste, die irreführende oder stigmatisierende Informationen über psychiatrische Behandlungen während der Schwangerschaft präsentierten, den wissenschaftlichen Konsens untergruben und es versäumten, das Wohlergehen schwangerer Personen angemessen in den Mittelpunkt zu stellen.“
Und: „Behauptungen über weit verbreitete Schäden basierten oft auf Studien, die die Verzerrung durch Indikationen – also die zugrunde liegende psychische Erkrankung, für die das Medikament verschrieben wurde – nicht ausreichend kontrollierten. … Neuere und methodisch strengere Studien, die das Vorliegen und den Schweregrad einer Depression kontrollieren, haben bestätigt, dass frühere Erkenntnisse über Schäden nicht mehr zutreffen, wenn geeignete Kontrollgruppen verwendet werden.“
So lautete die Antwort der American Psychiatric Association (APA) und anderer medizinischer Organisationen. Nun könnte man meinen, dass Wissenschaftsjournalist:innen der großen Medien in ihrer Berichterstattung über das FDA-Gremium untersuchen würden, ob es wahr ist, dass SSRIs nachweislich die Entwicklung des Gehirns des Fötus stören, und dass sie, nachdem sie dies festgestellt hätten, die APA American Psychiatric Association zu den möglichen Schäden befragen würden, die sich daraus ergeben könnten. Stattdessen sprangen sie in ihren Berichten sofort darauf an, die Kritik des „Expertenkonsenses“ an dem Gremium zu bestätigen. Stattdessen haben sie in ihren Berichten voreilig die Kritik des Gremiums als „Expert:innenkonsens“ bestätigt.
Hier eine Auswahl solcher Berichte, einschließlich der Schlagzeilen:
LA Times. „FDA-Gremium zur Verwendung von Antidepressiva während der Schwangerschaft alarmiert Expert:innen.”
„Ein FDA-Gremium hat kürzlich SSRIs angegriffen, eine Klasse von Antidepressiva, die RFK Jr. in der Vergangenheit ins Visier genommen hat. Ärzt:innen sagen, dass das Gremium – das sich hauptsächlich aus Kritiker:innen der Verwendung von Antidepressiva zusammensetzt – Fehlinformationen über die Verwendung der Medikamente in der Schwangerschaft verbreitet. Die Risiken einer Nichtbehandlung von Depressionen in der Schwangerschaft überwiegen bei weitem die Risiken von SSRIs, so die Gesundheitsdienstleister.”
Die NY Times (Gastbeitrag).
„Das FDA-Gremium zu Antidepressiva während der Schwangerschaft war alarmierend voreingenommen.“
„Die meisten Gremiumsmitglieder waren eindeutig voreingenommen gegen die Verwendung von Antidepressiva. . . . So sagte beispielsweise das American College of Obstetricians and Gynecologists, das Gremium sei alarmierend unausgewogen und habe die Gefahren einer unbehandelten perinatalen, affektiven StörungStimmung während der Schwangerschaft nicht angemessen anerkannt.“
NBC News:
„FDA-Gremium verbreitet Fehlinformationen über Antidepressiva während der Schwangerschaft, sagen Psychiater:innen.“
„Ein Gremium der Food and Drug Administration, das am Montag über die Verwendung von Antidepressiva während der Schwangerschaft diskutierte, verbreitete laut mehreren Psychiater:innen, die die Sitzung verfolgten, größtenteils Fehlinformationen oder aus dem Zusammenhang gerissene Fakten.“
NPR:
„Ein FDA-Gremium verbreitet Fehlinformationen über die Einnahme von SSRI während der Schwangerschaft und alarmiert Ärzt:innen“
„Gut kontrollierte Studien – also solche, die schwangere Frauen, die SSRI einnehmen, mit schwangeren Frauen mit psychischen Erkrankungen vergleichen, die diese Medikamente nicht einnehmen – kommen nicht zu den vom FDA-Gremium hervorgehobenen Risiken.”
Diese Berichte, die mit fast stenografischer Genauigkeit verfasst wurden, dienen dazu, den „Konsens der Experten“ in der öffentlichen Meinung zu verfestigen.
Es wird keine informierte Einwilligung geben
Wie aus der Literaturübersicht in diesem Bericht hervorgeht, lassen sich die von der American Psychiatric Association und anderen medizinischen Organisationen vorgebrachten „Gesprächsthemen“ leicht als falsch entlarven.
Nämlich
1) Die Ausschussmitglieder waren falsch informiert.
Drei der Ausschussmitglieder – Bérard, Gingrich und Levin – berichteten über ihre eigenen Forschungsergebnisse, die in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht worden waren: Science, Nature, JAMA Pediatrics usw. Healy, Moncrieff und Urato sprachen alle über Elemente dieser Forschung, mit denen sie sich gut auskennen, und sowohl Healy als auch Moncrieff können auf eine beeindruckende Publikationsliste verweisen. Urato hingegen kennt die relevante Forschung in- und auswendig, da er seit Jahren über die Risiken der Exposition von Föten gegenüber SSRI spricht.
2) Die Ausschussmitglieder zitierten Forschungsergebnisse, die den Störfaktor einer unbehandelten Depression nicht berücksichtigten.
Bérard und Gingrich sowie die größere Forschungsgemeinschaft führen seit Jahrzehnten Studien durch, in denen versucht wird, die Auswirkungen auf Föten bei Jugendlichen, die SSRI ausgesetzt waren, direkt mit denen bei Jugendlichen zu vergleichen, die einer unbehandelten mütterlichen Depression ausgesetzt waren. Dies geht aus den veröffentlichten Studien von Bérard und Gingrich hervor. Die Risiken einer Schädigung durch die Exposition des Fötus gegenüber SSRI sind in Studien, die die SSRI-Exposition mit gesunden Kontrollgruppen verglichen, und in Studien, die die SSRI-Exposition mit unbehandelter mütterlicher Depression verglichen, nachgewiesen worden, und die Risiken aus beiden Arten von Studien wurden in der Anhörung vorgestellt.
3) Das Risiko einer Nichtbehandlung von Depressionen in der Schwangerschaft überwiegt bei weitem das Risiko einer Exposition des Fötus gegenüber SSRI.
Dies ist eine Behauptung, die aus der Luft gegriffen ist. Es gibt keine Belege dafür, dass die Ergebnisse für den Fötus in einer mit SSRIs behandelten Kohorte besser sind als bei unbehandelter Depression. Darüber hinaus sprachen die Mitglieder des Gremiums von der Behandlung von Depressionen mit nicht-medikamentösen Alternativen.
4) Die Behandlung von Depressionen mit SSRIs hilft, die mit unbehandelter Depression verbundenen negativen Folgen zu verhindern.
Auch diese Behauptung ist aus der Luft gegriffen. Es gibt keine Belege dafür, dass die Behandlung von Depressionen mit SSRI das Risiko unerwünschter Schwangerschaftsausgänge im Zusammenhang mit unbehandelten Depressionen senkt. Wenn überhaupt, ist das Risiko unerwünschter Schwangerschaftsausgänge bei SSRI-Exposition höher als bei unbehandelten Depressionen.
5) Die verfügbaren Daten zeigen durchweg, dass die Einnahme von SSRI während der Schwangerschaft nicht mit langfristigen Entwicklungsstörungen in Verbindung steht.
Es gibt eine Reihe von Studien, in denen SSRI-exponierte Jugendliche mit Jugendlichen mit unbehandelter Depression verglichen werden, und wie in diesem MIíA-Bericht erwähnt, haben viele ein höheres Risiko für Sprach- und Sprechverzögerungen, Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS und affektive Störungen festgestellt. Die Literatur ist jedoch in Bezug auf diese Risiken tatsächlich uneinheitlich, obwohl es ziemlich übereinstimmende Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für affektive Störungen bei SSRI-exponierten Jugendlichen zu geben scheint.
67) Antidepressiva sind eine wirksame Behandlung für Depressionen bei Schwangeren.
In ihren Ausführungen bei der Anhörung gab Joanna Moncrieff einen Überblick über die Forschungsliteratur zur Wirksamkeit von Antidepressiva in der Allgemeinbevölkerung, aus der hervorgeht, dass der Unterschied zwischen Medikament und Placebo in RCTs mit SSRI-Antidepressiva so gering ist, dass er klinisch nicht feststellbar ist. Darüber hinaus gibt es, wie bei der Anhörung der FDA festgestellt wurde, keine RCTs zu Antidepressiva bei Schwangeren, und wie die britische Task Force feststellte, konnten andere Arten von Studien zu Antidepressiva bei Schwangeren keinen positiven Nutzen nachweisen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Berufsverbände die Medien in die Irre geführt haben und die Medien wiederum die Öffentlichkeit in die Irre geführt haben. Aus moralischer Sicht lassen sich die Aussagen der Berufsverbände wie folgt beurteilen: Sie haben ihre Berufsinteressen – z. B. den Schutz ihrer Verschreibungspraktiken und den gesellschaftlichen Glauben an die Wirksamkeit von Antidepressiva – über ihre Pflicht zur Aufklärung gestellt.
Und wer wird durch diesen Verrat am Recht der Öffentlichkeit auf Information am meisten geschädigt? Schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder.