Ärztinnen und Ärzte sagen ihren Patient:innen oft, dass Antidepressiva nur bei Kindern suizidales Verhalten auslösen können, nicht jedoch bei Erwachsenen. Viele Publikationen behaupten dasselbe. Diese falsche Behauptung basiert auf der von der FDA genehmigten Black-Box-Warnung für Antidepressiva, die vor einer erhöhten Suizidrate bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Einnahme von Antidepressiva warnt, jedoch nicht bei Erwachsenen über 24 Jahren. Der Warnhinweis fasst konkret zusammen: „Kurzzeitstudien zeigten bei Erwachsenen über 24 Jahren keine Erhöhung des Suizidrisikos unter Antidepressiva im Vergleich zu Placebo.“
Die Studien, auf die sich die FDA für Erwachsene über 24 Jahre stützte, waren im Vergleich zu denen für Kinder äußerst mangelhaft und unzuverlässig. Laut der FDA bei den Anhörungen im Jahr 2006:
„Aufgrund der großen Anzahl von Probande:innen in der Erwachsenenanalyse, fast 100.000 PPatient:innen wurde der Entscheidungsprozess in der Verantwortung der Sponsoren [der Pharmaunternehmen] belassen und nicht von der FDA überwacht oder anderweitig überprüft. Dies steht im Gegensatz zur pädiatrischen Suizidalitätsanalyse, bei der die FDA aktiv an der Entscheidung beteiligt war (S. 14).“
Darüber hinaus gab die FDA bei den Anhörungen zu Suizidalität bei Erwachsenen unter Antidepressiva im Jahr 2006 bekannt, dass sie keine einheitliche Analysemethode für jedes Pharmaunternehmen und keinen unabhängigen Gutachter, wie bei der pädiatrischen Stichprobe, vorschreibt.
Somit verglich die FDA gewissermaßen gute Äpfel (die pädiatrischen Studien) mit faulen Äpfeln (den Studien mit Erwachsenen) und stellte sie als vergleichbar dar. Die Studien an Kindern zeigten, dass Antidepressiva Suizidalität verursachen können – die Studien an Erwachsenen (über 24 Jahre) zeigten nichts anderes als die Absprachen der FDA mit den eigennützigen Pharmaunternehmen. Wie ich in meinen Büchern und wissenschaftlichen Artikeln beschrieben habe, manipulieren Pharmaunternehmen routinemäßig ihre Daten zu Suiziden, um einen kausalen Zusammenhang mit ihren Medikamenten zu vermeiden.
Im Fall von Eli Lilly gibt es zwei Memos des Mitarbeiters Claude Bouchey (Seiten 2 und 3 des Dokuments), der er an die Unternehmensleitung schrieb und in denen er seine Schuld und Scham darüber zum Ausdruck bringt, dass er offizielle Untersuchungsberichte über durch Prozac verursachte Suizidversuche in irreführende Begriffe wie „Überdosis” oder „Depression” geändert hat.
Ironischerweise kontrollierte und überwachte die FDA die ursprünglichen pädiatrischen Studien gerade deshalb, weil die Pharmaunternehmen selbst in keiner einzigen Altersgruppe ein Risiko für antidepressivuminduzierte Suizidalität feststellen konnten. Warum sollte die FDA davon ausgehen, dass dieselben eigennützigen Pharmaunternehmen, wenn sie wieder auf sich allein gestellt sind, spontan zum ersten Mal ehrliche Studien über die Suizidalität ihrer Produkte bei erwachsenen Menschen durchführen würden?
Darüber hinaus stellte sich selbst in den manipulierten Studien an Erwachsenen trotz der Manipulationen der Pharmaunternehmen in einer internen Überprüfung der Daten durch die FDA heraus, dass Paxil (Paroxetin) kausal mit einer erhöhten Suizidalität bei depressiven Erwachsenen in Verbindung steht. Infolgedessen zwang die FDA den Hersteller von Paxil, GlaxoSmithKline (GSK), im Jahr 2006, einen „Dear Doctor”-Brief an alle Gesundheitsdienstleister zu schreiben, in dem der kausale Zusammenhang zwischen Paxil und Suizidalität bei Erwachsenen bestätigt wurde.
Im April 2006 verpflichtete die FDA den Arzneimittelhersteller außerdem, einen Warnhinweis in die vollständigen Verschreibungsinformationen (Beipackzettel oder Packungsbeilage) aufzunehmen, der auf das Risiko von Suizidalität bei Erwachsenen mit Depressionen hinweist, die Paxil einnehmen. GSK überzeugte die FDA jedoch, diesen Warnhinweis in den folgenden Jahren wieder zu entfernen. Der Warnhinweis erschien nur einmal im Jahr 2007 im Physician’s Desk Reference (PDR).
Inzwischen gibt es viele Studien, die zeigen, dass Antidepressiva bei Erwachsenen Suizidalität und Suizid verursachen.
Wenn Sie das nächste Mal jemanden sagen hören, dass die FDA-Studien nur eine erhöhte Suizidalität bei Kindern und jungen Erwachsenen im Gegensatz zu Erwachsenen gezeigt hätten, denken Sie daran, dass die Studien mit Erwachsenen im Gegensatz zu den pädiatrischen Studien nicht von der FDA kontrolliert, überwacht oder validiert wurden. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie weit die FDA geht, um Pharmaunternehmen und ihre oft tödlichen Produkte zu schützen.
Es war schon schlimm genug, herauszufinden, dass Antidepressiva bei Kindern Suizidalität verursachen. Die Pharmaunternehmen und ihre Handlanger beschwerten sich lautstark. Die FDA und die Pharmaunternehmen wollten keine Wiederholung ausreichend unvoreingenommener Studien zulassen, die zu dem Schluss kommen könnten, dass auch Erwachsene anfällig für durch Antidepressiva ausgelöste Suizide sind.